Deutsche Geringverdiener müssen sich im OECD-Vergleich mit wenig Rente begnügen

Rentner mit Taschenrechner

In Deutschland bekommen Geringverdiener im Alter einen kleineren Teil ihres Gehalts durch die Rente ersetzt als in den anderen Industriestaaten. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach bringt auch die geplante Grundrente nur teilweise Verbesserungen. Oppositionspolitiker nennen die Studienergebnisse "beschämend" und "verheerend".

Laut der Untersuchung können deutsche Geringverdiener im Ruhestand nur mit einer Ersatzrate von 56 Prozent ihres früheren Gehalts rechnen, während es im Durchschnitt der Mitgliedstaaten 68 Prozent sind. Die von der großen Koalition geplante Grundrente könne das Problem zum Teil abmildern, das Problem der Altersarmut aber nicht grundsätzlich lösen, schrieben die Experten.

Die vorgesehene Leistung werde die Rentenaussichten einiger Geringverdiener verbessern, jedoch nicht das "Altersarmutsrisiko von Geringverdienern mit größeren Karriereunterbrechungen" angehen. Letzteren fehlt es an den erforderlichen Beitragszeiten für die Auszahlung der Grundrente.

Die Frauen in Deutschland seien zudem "von der OECD-weit größten Geschlechter-Rentenlücke betroffen", erklärte die Organisation. Ihre Altersbezüge fielen um 46 Prozent niedriger aus als die der Männer.

Die OECD-Studie hebt für Deutschland auch positive Aspekte hervor: So gebe es mehr ältere Menschen in Beschäftigung als in anderen Industrienationen. Dennoch könnte die Alterung der Gesellschaft nach Einschätzung der OECD die Tragfähigkeit des öffentlichen Rentensystems in Deutschland beeinträchtigen.

Ein schlechtes Zeugnis stellt die OECD der Altersvorsorge von Selbstständigen in Deutschland aus. Die Bundesrepublik sei eines der wenigen Länder, das für diese Gruppe keine obligatorische Rentenversicherung hat. Einige Gruppen von Selbstständigen seien zwar in berufsständischen Systemen versichert - allerdings sei die Alterssicherung von Selbstständigen insgesamt lückenhaft.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erklärte, dass Deutschland "seit Jahren bei der Frage gerechter Renten hinterherhinkt, ist beschämend für dieses Land". Wenn Frauen generell weniger Einkommen im Alter hätten als Männer, "dann ist das ein grundlegendes Problem für die Gleichheit und Selbstbestimmung". Die Grundrente müsse daher überarbeitet werden, damit mehr Frauen die geplante Leistung erhalten könnten.

Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald urteilte, die OECD stelle Deutschland ein "verheerendes Rentenzeugnis" aus. "Nur wer sehr lange sehr gut verdient hat, kann im Alter noch auf eine auskömmliche Rente hoffen." Birkwald forderte ebenfalls Änderungen an der Grundrente sowie eine Anhebung des allgemeinen Rentenniveaus.

Dagegen sieht sich die SPD von dem OECD-Bericht bestätigt. "Es war genau richtig, dass wir uns bei der Grundrente durchgesetzt haben", erklärte SPD-Fraktionsvize Katja Mast. "Denn von ihr werden vor allem Frauen profitieren." Außerdem bestätigten die Zahlen das Prinzip, "gute Arbeit bedeutet gute Renten. Daran arbeiten wir intensiv". Auch die bessere Absicherung von Selbstständigen sei ein Anliegen der SPD, erklärte Mast.