Verwirrung um Astra-Krisengespräch; Impfstoff aus Frankfurt

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Hin-und-her zwischen EU und Astra, Sanofil will helfen, Japaner sollen draußen bleiben: Der Corona-Überblick.

Um das geplante Krisengespräch zwischen AstraZeneca und der Europäischen Union über Impfstofflieferungen hat es zuletzt ziemliche Verwirrung gegeben. Nachdem EU-Vertreter erklärt hatten, der britische Pharmakonzern habe die für Mittwochabend angesetzte Aussprache abgesagt, teilte dieser mit, dass er weiterhin plane, teilzunehmen. Zuletzt hieß es auch von der EU wieder, dass der Call wie geplant stattfinden werde.

Zuvor hatte AstraZeneca in einem Intervie mit der Welt Vorwürfe und Drohungen der Europäischen Union zurückgewiesen und diese aufgefordert, selbst die Verantwortung für Lieferengpässe zu übernehmen. CEO Pascal Soriot verwies auf eine “Best-Effort”-Vereinbarung seines Unternehmens mit der EU. “Der Grund war, dass Brüssel mehr oder minder zum selben Zeitpunkt beliefert werden wollte wie die Briten – obwohl die drei Monate früher unterzeichnet hatten”, so Soriot. “Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet.” Nachdem AstraZeneca Ende letzter Woche vor Produktionsverzögerungen gewarnt hatte, fordert die EU informierten Kreisen zufolge “grundlegende” Informationen über die Lieferpläne für das erste Halbjahr.

Zur mittelfristigen Verbesserung der Impfstoffversorgung in der EU will nun Sanofi beitragen. Das französische Unternehmen wird künftig Millionen Dosen des Covid-19-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer herstellen und stellt dafür Produktionsanlagen in Frankfurt bereit. Die Vereinbarung umfasse die Herstellung von mehr als 125 Millionen Dosen des Serums, die für die EU bestimmt seien, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Auslieferung des Impfstoffs soll im Sommer beginnen.

Nach dem Anstieg der Infektionszahlen in Japan hat die Europäische Union das asiatische Land von ihrer “Weißen Liste” gestrichen, wie ein EU-Vertreter berichtet, der nicht namentlich genannt werden wollte. Japaner können damit nicht mehr ohne Weiteres in die EU einreisen. Die Liste der Länder, für deren Bürger das weiterhin möglich ist, umfasst damit nur noch Australien, China, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea und Thailand. Die Entscheidung sei von Gesandten der Mitgliedsländer in Brüssel getroffen worden und werde in den nächsten Tagen veröffentlicht, hieß es.

Die neue US-Regierung von Joe Biden will die Impfkampagne beschleunigen und jeweils 100 Millionen zusätzliche Dosen der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna kaufen. Damit sollen die Lieferungen an die Bundesstaaten zumindest vorübergehend auf rund zehn Millionen Dosen pro Woche gesteigert werden. “Damit können Millionen weiterer Amerikaner früher als bisher erwartet geimpft werden”, sagte Biden am Dienstag. Der Präsident warnte jedoch, dass die Impfungen noch lange dauern werden und die Logisitk äußerst schwierig sei. “Auf dem Weg kann noch vieles schiefgehen”, sagte er.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Mittwochmorgen für die zurückliegenden 24 Stunden 9.387 Neuinfektionen mit dem Coronavirus und 492 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 2.164.043 Personen nachgewiesen. Die Gesamtzahl der Todesfälle lag bei 53.619.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl - der sogenannte 4-Tage-R-Wert - bei 0,85, gg 1,06 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Krisengespräch im 2. und Japan im 5. Absatz)

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