EU schließt Impfstoff-Deal; BioNTech kündigt günstigen Preis an

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- EU sichert sich Impfstoff-Zugriff, BioNTech will bescheiden bleiben, Spahn sieht Licht am Ende des Tunnels, und ein britischer Experte warnt vor “kolossalem Fehler”: Der Corona-Überblick.

Einen Tag nach der Verkündung einer sehr guten Wirksamkeit des Impfstoffs, den Pfizer gemeinsam mit der Mainzer BioNTech SE entwickelt, hat die Europäische Union eine Vereinbarung über die Lieferung von 200 Millionen Dosen geschlossen. Darüber hinaus gibt es eine Option für weitere 100 Millionen Dosen. Die EU hatte am 9. September eine vorläufige Vereinbarung gemeldet. Die US-Regierung hat einen Deal über 100 Millionen Dosen, mit einer Option auf 500 Millionen weitere, sobald der Impfstoff die Zulassung erhält.

Den Preis für den Impfstoff will BioNTech unterhalb des Marktpreises festsetzen, berichtet Reuters unter Berufung auf den Strategiechef des Unternehmens, Ryan Richardson. Das Unternehmen will zudem beim Preis zwischen Ländern und Regionen differenzieren.

Nach der Zwischenerfolgsmeldung zu dem Covid-19-Impfstoffkandidaten am Montag sieht Jens Spahn eine “hohe Wahrscheinlichkeit”, dass im ersten Quartal 2021 ein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar sein wird. Diese Aussicht gebe “Kraft für die Wochen, die gerade schwer sind”, erklärte der Bundesgesundheitsminister auf einer Pressekonferenz.

Boris Johnson sieht dagegen noch viele Hürden. “Es ist noch ein langer Weg, bis wir diese Sache erledigt haben”, sagte der britische Premierminister in einer Fernsehansprache. Die Bürger ermahnte er, sich weiterhin an die Pandemievorschriften zu halten. Der britische Infektiologe und Regierungsberater Jonathan Van Tam warnte, es wäre ein “kolossaler Fehler für jeden von uns, sich zu diesem Zeitpunkt zu entspannen”. Der Impfstoff werde auf die aktuelle Welle keinen Einfluss haben, erklärte er.

John Bell, Oxford-Professor und ebenfalls britischer Regierungsberater, sagte hinwiederum, das Leben könnte sich bereits im Frühjahr 2021 normalisieren. “Ich bin vielleicht der erste, der das sagt, aber ich sage es mit einer gewissen Überzeugung”, erklärte er im BBC Radio.

Weltweit nähert die Zahl der gemeldeten Infektionen seit Beginn der Pandemie der Marke von 51 Millionen. In den USA beschleunigt sich das Infektionsgeschehen weiter. Mit 142.000 Neuansteckungen meldete das Land erneut einen Rekord. Insgesamt wurde mittlerweile bei mehr als 10 Millionen Amerikanern das Coronavirus diagnostiziert.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Dienstagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 6.522 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 689.146 Personen festgestellt. Im Zusammenhang mit Corona gab es weitere 36 Todesfälle; die Gesamtzahl stieg damit auf 11.408.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert bei 1,09, nach 1,10 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um EU/Pfizer-Vertrag im 2., Impfstoffpreis im 3. Absatz)

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