Lange Lkw-Schlangen in Dover; Schweiz stoppt Reisende aus GB

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Europäische Länder sperren GB-Reisende aus, Experten hoffen auf Impfstoff-Wirksamkeit, EU-Behörde gibt grünes Licht für Impfung, Deutschland sichert sich mehr Dosen: Der Corona-Überblick.

Zahlreiche Länder haben den Reiseverkehr mit Großbritannien drastisch eingeschränkt, nachdem die britische Regierung am Wochenende mitgeteilt hatte, ein neuer, besonders ansteckender Stamm des Coronavirus sei “außer Kontrolle” geraten. Das Pfund und die europäischen Aktienindizes sackten als Reaktion auf die Nachricht ab, der Dax lag zuletzt 3,1 Prozent im Minus.

Deutschland stoppte Flüge aus Großbritannien, Frankreich setzte jegliche Einreisen aus Großbritannien für 48 Stunden aus. Italien, die Niederlande und Belgien hatten bereits zuvor Flug-, Zug- und Fährverbindungen gekappt. Die Schweiz untersagte Einreisen aus Großbritannien und Südafrika wegen der Virusvariante. Auch Hong Kong, Kanada und Russland schränkten Reisen ein. Flüge wurden bereits in der Nacht gestoppt. Personen, die seit dem 14. Dezember bereits aus einem der beiden Länder eingereist sind, müssen zehn Tage in Quarantäne.

In Großbritannien sorgten die Entwicklungen für lange LKW-Schlangen in Dover, ein Vorgeschmack auf die Verwerfungen, die beim Grenzübergang drohen, wenn die Handelsgespräche mit der EU scheitern sollten. “Das ist der Nightmare before Christmas”, sagte James Withers, Chef des Verbands der schottischen Lebensmittelindustrie. Über hundert Lkws mit Meeresfrüchten für Weihnachts-Großmärkte in Frankreich und Spanien warteten auf ihre Einreise in die EU und drohten zu verderben, berichtete er.

Derzeit gibt es der Weltgesundheitsorganisation zufolge keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe bei der jüngst entdeckten Mutation des Coronavirus nicht wirken. “Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich keine Anzeichen, die dafür sprächen, dass die in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe bei der Mehrheit der Patienten nicht ansprechen sollten”, sagte Soumya Swaminathan, die leitende Wissenschaftlerin bei der WHO. Es müssten allerdings noch Versuche durchgeführt werden. Zwar seien die meisten Virusstämme in Großbritannien gemeldet worden, aber es sei zu erwarten, dass die Mutation auch in anderen Ländern gefunden werde, fügte sie hinzu.

Die EU-Zulassungsbehörde EMA gab am Montag grünes Licht für den Impfstoff von BioNTech und Pfizer. Von diesem Vakzin hat sich Deutschland nach Informationen der Bild-Zeitung 30 Millionen weitere Dosen gesichert. Zusammen mit den 55,5 Millionen Dosen, die die Bundesrepublik über die EU erhält, und 50,5 Millionen Dosen des Impfstoffs der Firma Moderna könne das Land im kommenden Jahr die Herdenimmunität erreichen, so die Zeitung.

Sollte der seit letzter Woche geltende Lockdown verlängert werden, werde die Bundesregierung Unternehmen weiter unterstützen, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz in einem Interview mit der Funke Mediengruppe. “Der Staat hilft, so lange es nötig sein wird”, sagte Scholz. “Finanziell können wir den Lockdown lange durchhalten, weil wir über eine robuste Volkswirtschaft mit sehr leistungsfähigen und international wettbewerbsfähigen Unternehmen verfügen.” Die Lockdown-Kosten liegen Scholz zufolge bei rund 11 Milliarden Euro pro Monat.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen für die zurückliegenden 24 Stunden 6.444 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 lag bei 229.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 1.514.962 Personen festgestellt. Die Gesamtzahl der Todesfälle lag bei 26.400.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert bei 1,09, nach 1,06 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte

(Ergänzt um Schweiz im 3., Grenzchaos im 4. Absatz)

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