Spanien vor neuen Maßnahmen; Moderna-Impfstoff vor US-Zulassung

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Spanien muss schnell handeln, Spahn bittet um Geduld, Verwirrung um Pfizer-Lieferungen: Der Corona-Überblick.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat für die Impfkampagne geworben, die in Deutschland kurz vor dem Jahreswechsel beginnen soll. “Das Impfen ist der Weg raus aus dieser Pandemie”, sagte er im ZDF Morgenmagazin. Zugleich dämpfte er die Erwartungen an das diesbezüglich Tempo. Zuerst würden die Über-80-Jährigen, Pflegebedürftige und Pflegepersonal geimpft. “Diese Gruppe ist schon so groß, dass das jetzt erstmal auch in den ersten Wochen das Impfgeschehen in Deutschland prägen wird, und alle anderen muss ich einfach weiter um Geduld bitten”, so Spahn.

Der US-Pharmakonzern Pfizer, der zusammen mit der deutschen BioNTech den bislang vielversprechendsten Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt hat, hat Berichte zurückgewiesen, er halte Lieferungen zurück und habe Produktionsschwierigkeiten. Vertreter der “Operation Warp Speed”, dem Progamm der US-Regierung zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung, hatten gesagt, Dosen für Zweitimpfungen würden zurückgehalten, und die Gouverneure einiger US-Bundesstaaten hatten erklärt, sie hätten weniger Impfstoff erhalten als erwartet. Die Aussage des Gouverneurs von Florida, Ron DeSantis, Pfizer habe Produktionsprobleme, wies das Unternehmen zurück. In einer Mitteilung schrieb der Konzern, er habe alle 2,9 Millionen Impfdosen ausgeliefert, die die US-Regierung diese Woche geordert habe, und Millionen weitere lägen zum bereit und würden versandt, sobald entsprechende Anweisungen eingingen.

Zugleich gibt es Verwirrung über eine mögliche Verdopplung der Liefermenge von ursprünglich 100 Millionen Impfdosen an die USA. Moncef Slaoui, der oberste wissenschaftliche Berater der Operation Warp Speed, erklärte in einem Interview, eine Vereinbarung über weitere 100 Millionen Dosen stehe kurz bevor, die Pfizer dann im zweiten Quartal nächsten Jahres ausliefern würde. Früheren Berichten zufolge soll die US-Regierung jedoch ein Angebot zur Lieferung weiterer Dosen abgelehnt haben, und Pfizer müsste vorher Lieferverpflichtungen anderen Ländern gegenüber erfüllen.

Ein konkurrierender Corona-Impfstoff, entwickelt von der US-Firma Moderna, hat von einem Expertenausschuss der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA Unterstützung erhalten. Die Fachleute stellten mit 20 zu null Stimmen bei einer Enthaltung fest, dass der Nutzen des Serums seine Risiken überwiege. Es wird erwartet, dass das Mittel noch am heutigen Freitag die Zulassung in den USA erhält. Stephen Hahn, Commissioner bei der FDA, versprach, die Behörde werde sich beeilen. US-Vizepräsident Mike Pence erklärte: “Die amerikanischen Bürger können sich darauf verlassen: Wir haben einen, und vielleicht in einigen Stunden zwei sichere und wirksame Coronavirus-Impfstoffe für Sie und Ihre Familie.”

Spanien muss nach Aussage von Gesundheitsminister Salvador Illa sofort reagieren, um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu bremsen. “Spanien befindet sich in einer sehr beunruhigenden Situation”, da sich der Infektionstrend in vielen Regionen des Landes verändert habe. “Wir müssen reagieren”, erklärte Illa auf einer Pressekonferenz am Freitag. Diese Woche hatten die 17 Regionalregierungen zusätzliche Befugnisse erhalten, Beschränkungen für Treffen während der Weihnachtsfeiertage zu verhängen. Die Infektionszahlen in Spanien waren zuletzt deutlich angestiegen, und die Zahl der Todesfälle seit Pandemiebeginn überschritt die Marke von 48.000.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Freitagmorgen für die zurückliegenden 24 Stunden 30.179 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 lag bei 754.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 1.454.009 Personen festgestellt. Die Gesamtzahl der Todesfälle lag bei 25.027

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert bei 0,82, nach 0,88 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte

(Aktualisiert um Moderna im 5. Absatz, ergänzt um Spanien im 6. Absatz)

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.