Europäische Impfpläne; Schweiz nimmt USA auf Quarantäneliste

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Spanier machen Pläne, Fauci rügt Briten, Biden geht mit gutem Beispiel voran: Der Corona-Überblick.

Die spanische Regierung plant, bis zum kommenden Juni bis zu 20 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft zu haben. Bewohner und Personal von Pflegeheimen sollen zuerst immunisiert werden, gefolgt von Beschäftigten im Gesundheitswesen, sagte Ministerpräsident Pedro Sanchez am Freitag. Spanien habe sich genug Dosen für 80 Millionen Menschen gesichert, erklärte Gesundheitsminister Salvador Illa. Das Land hat eine Bevölkerung von rund 47 Millionen. Indessen ergab eine Umfrage, dass eine Mehrheit der Spanier vor einer Impfung erst einmal abwarten will, bis mehr über mögliche Nebenwirkungen bekannt ist.

Island will bis Ende März drei Viertel seiner Bevölkerung impfen und dadurch Herdenimmunität erreichen. Die Regierung erwartet, kommende Woche mit Pfizer einen Vertrag über genügend Impfdosen für 85.000 Menschen zu unterzeichnen. Auch Vereinbarungen mit Moderna und Janssen seien in Vorbereitung, hieß es. Ein Vertrag mit AstraZeneca über Impfstoff für 115.000 Menschen besteht bereits.

Schweden erwartet, genügend Impfstoff zu erhalten, um im ersten Quartal kommenden Jahres ein Fünftel der Bevölkerung zu immunisieren, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven. Das Land hat über EU-Vereinbarungen Zugriff auf Impfstoff von Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Janssen und CureVac. Anfang Januar sollen die Impfungen langsam anlaufen, bis Ende März sollen Dosen für 2 Millionen Menschen vorliegen. Zuerst werden Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen geimpft, sowie weitere pflegebedürftige alte Menschen, sagte Johan Carlson, der Leiter der nationalen Gesundheitsbehörde.

In Großbritannien sollen noch vor Jahresende Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft werden, sagte Wirtschaftsminister Alok Sharma in einem Interview mit dem Sender Sky News. Der größte Teil der ersten Charge von 800.000 Dosen des Impfstoffs von Pfizer und BioNTech sei bereits im Land, erklärte er.

Kritik von Fauci

Derweil kritisierte der amerikanische Top-Virologe Anthony Fauci die britische Arzneimittelbehörde wegen ihrer schnellen Zulassung des Serums. “Sie haben die Daten von der Firma Pfizer einfach genommen, und anstatt sie äußerst gründlich zu prüfen, haben sie gesagt, okay, lasst sie uns absegnen.” Später relativierte er allerdings seine Aussagen.

Zuvor hatte der britische Bildungsminister Gavin Williamson mit Blick auf die Impfstoffzulassung erklärt, Großbritannien sei ein “viel besseres Land”. “Wir haben die allerbesten Leute in diesem Land, und natürlich haben wir die beste Medizinaufsicht, viel besser als die Franzosen sie haben, viel besser als die Belgier sie haben, viel besser als die Amerikaner sie haben”, sagte er in einem Radiointerview.

An die Amerikaner hat der designierte US-Präsident Joe Biden den Appell gerichtet, für die ersten hundert Tage seiner Amtszeit Masken zu tragen. “Nicht für immer, für hundert Tage”, sagte er in einem Fernsehinterview. “Dann, denke ich, werden wir einen deutlichen Rückgang sehen” bei den Infektionszahlen. Zudem kündigte Biden an, sich öffentlich gegen Covid-19 impfen zu lassen, “sobald Dr. Fauci sagt, dass wir einen Impfstoff haben, der sicher ist“. Den Virologen habe er gebeten, weiter als Chefberater der Regierung für Infektionskrankheiten zur Verfügung zu stehen.

Die Schweiz hat weitere Regionen auf ihre Quarantäneliste genommen. Unter anderem müssen sich Reisende in Quarantäne begeben, die aus den USA, Polen und Teilen Italiens kommen. Die Änderung gilt ab dem 14. Dezember.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Freitagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden 24.158 Corona-Neuinfektionen und 438 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 1.142.111 Personen festgestellt. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg auf 18.097.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert bei 0,83, nach 0,84 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Spanien, Island, Schweden, Schweiz)

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