Die deutsche Chemie wächst wie seit Jahren nicht mehr

Die globale Konjunktur heizt die Nachfrage nach deutschen Chemieprodukten an. Das Geschäft lief 2017 noch besser als bisher gedacht.

Die deutsche Pharma- und Chemieindustrie kann sich weiter in einem steilen Aufschwung sonnen. Das Geschäft hat sich im Schlussquartal 2017 sogar weiter beschleunigt und ist damit im Gesamtjahr noch deutlich stärker gewachsen als bisher erwartet.

„Das letzte Quartal ging ab wie die Post“, beschreibt Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), die Entwicklung der Branche. In den Monaten Oktober bis Dezember ist die Chemieproduktion in Deutschland nach den vorläufigen Daten des Verbandes um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um starke 7,3 Prozent im Vorjahresvergleich gewachsen. Derart starke Zuwächse hat die Branche schon seit Jahren nicht mehr erlebt.

Seine Aussagen für das Gesamtjahr 2017 konnte der VCI daher abermals nach oben korrigieren. Auf Basis der vorläufigen Zahlen ist die Produktion der Branche 2017 um 3,8 Prozent gewachsen. Im letzten Bericht Anfang Dezember war man noch von einem Plus von 2,5 Prozent ausgegangen. Und nach bisherigen Daten dürfte sich die Entwicklung 2018 nahezu ungebremst mit einem weiteren Anstieg der Produktion um 3,5 Prozent fortsetzen.


Zwar hat daran das traditionell in den VCI-Zahlen mit enthaltene Pharmageschäft daran erheblichen Anteil. Es repräsentiert rund 30 Prozent des Gesamtvolumens und wuchs im Gesamtjahr 2017 um satte sechs Prozent. Aber auch die Chemie im engeren Sinne – ohne Pharma – hat das Wachstumstempo gesteigert. Sie wuchs um sechs Prozent im Schlussquartal und um 2,6 Prozent im Gesamtjahr.

Da man 2017 zusätzlich zur höheren Produktion auch die Preise anheben konnte, stieg der Umsatz der Branche um sechs Prozent auf 195,8 Milliarden Euro. Davon stammten rund 121 Milliarden Euro (plus 6,6 Prozent) aus dem Exportgeschäft, 75 Milliarden Euro (plus fünf Prozent) aus dem Inland. Im laufenden Jahr dürften die Erlöse nach VCI-Schätzung um weitere 4,5 Prozent auf dann erstmals mehr als 200 Milliarden Euro zulegen.

Hintergrund ist der ausgesprochen solide Aufschwung der Weltwirtschaft, mit einer starken Konjunkturentwicklung sowohl in Europa als auch Nordamerika und Asien. Und vor allem die für die Chemie besonders wichtige Industrieproduktion legt kräftig zu.

„Angesichts dieser Entwicklung und des starken vierten Quartals 2017 sind die Chemieunternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage sehr zufrieden“, so Tillmann. Sie beurteilten die Lage ähnlich gut wie in der letzten Boomphase von 2004 bis 2008.


Gewisse Risiken für die weitere Entwicklung sieht der VCI-Geschäftsführer allenfalls in den Auswirkungen eines harten Brexit oder eines zunehmenden Protektionismus. Trumps Handelspolitik beeinträchtige die Branche bisher zwar kaum, könne aber größeren Einfluss entfalten, sollte sie etwa auf die Automobilindustrie, den wichtigsten Kunden der deutschen Chemie, ausgedehnt werden. „Man sollte auf jeden Fall versuchen, eine solche Spirale der Eskalation zu verhindern“, sagte Tillmann.

Deutsche Chemiefirmen exportierten 2016 Produkte im Wert von gut 19 Milliarden Euro in die USA. Die Importe aus den USA bewegten sich bei 12,6Milliarden Euro.