Deutsche Banken bekämpfen Provisionsverbot - außer einer

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(Bloomberg) -- Während sich Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken nahezu geschlossen gegen ein Verbot der Provisionsberatung in Deutschland stemmen, gibt es mindestens ein Institut, das ausschert. Die Berliner Quirin Privatbank AG, die rund 5 Milliarden Euro an bundesweit 15 Standorten verwaltet, verzichtet seit ihrer Gründung vor etwa 15 Jahren auf Provisionen und berät ausschließlich gegen Honorar. Sie setzt sich explizit für ein gesetzliches Verbot der Provisionsberatung ein.

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“Dafür kämpfen wir seit Jahren”, sagte Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt in einem Interview mit Bloomberg News. “Denn die eigenen Provisionsinteressen der Banken kommen nicht selten vor den Interessen der Kunden.” Das sehr oft genannte Gegenargument, dass sich Kleinanleger eine Beratung gegen Honorar nicht leisten könnten, lässt er nicht gelten. Denn eine Abrechnung nach Stunden sei unter den Honorar-Beratern eher die Ausnahme.

Wenn Kunden heute zu ihrer Bank gehen und etwa Investmentfonds kaufen, wird die Beratung in alle Regel durch Provisionen finanziert, die die Banken von den Produktanbietern erhalten. Das setzt die Berater dem Verdacht aus, dass sie nicht das für den Kunden beste Produkt empfehlen, sondern jenes, das die meisten Provisionen bringt. Einige Politiker und Verbraucherschützer fordern deshalb, Provisionen zu verbieten und statt dessen eine Beratung gegen Honorar zu etablieren. Auf die Agenda der neuen Regierung scheint es das Vorhaben entgegen ersten Erwartungen nicht geschafft zu haben.

Vergangene Woche hatte die Deutsche Kreditwirtschaft - die Spitzen-Lobby-Organisation von Volksbanken, Sparkassen und Privatbanken wie Deutsche Bank AG und Commerzbank AG - eine gemeinam mit anderen Verbänden beauftragte KPMG-Studie veröffentlicht. Sie kam zu dem Schluss, dass ein Wechsel zur Honorarberatung viele Kunden benachteiligen würde. “Vor allem Verbraucher mit geringen und mittleren Anlagebeträgen würden durch die Honorarberatung von der Beratung abgeschnitten, da sie zu teuer wäre”, hieß es. KPMG hatte für die Beratung einen Stundensatz von durchschnittlich 180 Euro unterstellt.

Schmidt hält dagegen. “Eine Abrechnung auf Stundenbasis bei Honorarberatern ist heute die Ausnahme, und nicht die Regel. Das gilt auch für uns”, sagte er. Die meisten unabhängigen Berater, die auf Honorarbasis arbeiten, würde viel mehr eine jährliche Vergütung von ihren Kunden erhalten, die sich in der Regel prozentual auf die Höhe des verwalteten Vermögens bezieht. Bei der Quirin Privatbank liegt dieser Satz bei 1,28% pro Jahr. Allerdings verlangt das Unternehmen eine Mindestanlage von 25.000 Euro.

Beim hauseigenen Robo-Berater Quirion ist die Schwelle niedriger. Ein Kunde, der hier beispielsweise 500 Euro anlegen will, zahlt 0,48% im Jahr.

1,5 Milliarden Euro im Feuer

Laut Rene Fischer, Partner für Financial Services bei der Managementberatung Oliver Wyman, handelt es sich hier nicht um ein schwarz-weiß Thema, das einfach zu beantworten ist. “Es gibt Punkte, die für eine Provisionsberatung sprechen, und Punkte, die für eine Honorarberatung sprechen”, sagte er.

Klar sei aber, dass es für Banken und Sparkassen finanziell um einiges gehe. „Ein Verbot der Provisionsberatung würde bei den deutschen Banken wohl zu einem signifikanten Rückgang der Erträge führen”, so Fischer. “Im Feuer steht eine ordentliche Summe.”

Seinen Angaben zufolge belaufen sich die Provisionserträge der Banken in Deutschland im Wertpapiergeschäft auf etwa 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro pro Jahr in der Vermögens- und Anlageberatung – bezogen auf Klein-Investoren mit weniger als 150.000 Euro bis 200.000 Euro an Anlagen. Nicht alles davon komme allerdings von Dritten wie Fonds-Anbietern, manche Provisionen würden schon jetzt direkt von den Beratenen gezahlt.

Negativbeispiel Großbritannien

Auch für die Kunden stehe beim Aus der Provisionsberatung einiges auf dem Spiel, warnte Ulrich Hoyer, Partner für das Retail-Bankengeschäft beim Strategieberater ZEB: “Es ist schwer ein Modell zu finden, bei dem Retail-Anleger mit kleinen Anlagebeträgen ernsthaft besser fahren als in einem Provisionsmodell”. Das zeige Großbritannien, wo der Absatz von Altersvorsorge-Produkten nach dem Verbot der Provisionsberatung eingebrochen sei.

Für Schmidt bleiben Honorare der Königsweg. “Der Berater muss nicht mehr überlegen, ob empfohlen wird, was aus Banksicht das Beste ist - nämlich das Produkt mit den höchsten Provisionen - oder das, was am besten für den Kunden ist - günstig und gut”, sagte er.

Das funktioniere aber nur, wenn die Kunden für die Beratung bezahlen, wie beim Steuerberater oder Rechtsanwalt, wo das selbstverständlich sei. “Niemand käme auf die Idee, sich von einem Steuerberater beraten zu lassen, der vom Finanzamt bezahlt wird. In herkömmlichen Banken passiert im übertragenen Sinne aber genau das”, sagte er.

(Neu: Robo-Berater im 6. Absatz)

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