Deutsche Bank will bei Konsolidierung eine aktive Rolle einnehmen


Normalerweise halten sich Vorstandschefs an die Regel, dass man vor allem über das eigene Unternehmen spricht und weniger über andere Konzerne. Auf dem Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats am Dienstag machte Theodor Weimer, der Chef der Deutschen Börse, eine Ausnahme und stellte eine Frage, die im Moment wohl viele deutsche Manager beschäftigt: Wie könne es sein, dass die Deutsche Bank nicht zu den Top-50-Banken weltweit zähle?

Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, nahm Weimers Frage sportlich. „Wir sind nicht unfair bewertet“, sagte er. „Wenn man an die internationalen Champions der deutschen Wirtschaft denkt, wird keiner zuerst an unsere Branche denken“, sagte Sewing. Dafür sei die Bank aber auch selbst verantwortlich, weil sie in der Vergangenheit Fehler gemacht und zum Beispiel den Heimatmarkt vernachlässigt habe.

„Die Kunden der Deutschen Bank mussten in der Vergangenheit einiges an Schlagzeilen ertragen“, meinte Sewing. Damit soll Schluss sein. „Ich kann Ihnen versichern, dass wir beim Umbau unserer Bank sehr gut vorankommen“, fuhr er fort. Jetzt gehe es darum, das Institut nachhaltig profitabel zu machen.

Das sei im Interesse Deutschlands. „Ohne international aufgestellte Großbanken mit globaler Reichweite mit Sitz in Deutschland ist im heutigen wirtschaftspolitischen Umfeld auf Dauer auch die starke wirtschaftliche Position Deutschlands in Gefahr“, glaubt Sewing. Das gelte auch mit Blick auf die nächste Krise. Nach Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren hätten ausländische Banken ihr Kreditangebot deutlicher zurückgefahren als einheimische Institute. Es sei nicht davon auszugehen, dass das bei der nächsten Krise anders laufen sollte.

Die Aktie des Frankfurter Geldhauses hat in diesem Jahr nach einer ganzen Serie von Rückschlägen rund 40 Prozent an Wert verloren. Auch der abrupte Wechsel an der Vorstandsspitze von John Cryan zu Sewing konnte den Kursverfall nicht aufhalten.

Trotz des Niedergangs an der Börse will die Deutsche Bank bei einer Konsolidierung des europäischen Bankensektors Akteur sein und nicht passives Objekt. „Wir wollen natürlich immer gerne in einer Position sein, in der wir agieren können“, betonte der neue Vorstandschef. Zuletzt hatten immer wieder Gerüchte über Großfusionen zwischen europäischen Banken die Runde gemacht.