Deutsche Bank will 2021 rund 50 Postbank-Filialen schließen

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In einem Vertrag mit der Deutschen Post ist festgelegt, wie viele Postbank-Filialen geschlossen werden dürfen. Das verhindert noch kräftigere Einschnitte.

Im nächsten Jahr sollen rund 50 Filialen der Postbank geschlossen werden. Mehr ist der Deutschen Bank aufgrund eines Vertrags mit der Post nicht möglich. Foto: dpa
Im nächsten Jahr sollen rund 50 Filialen der Postbank geschlossen werden. Mehr ist der Deutschen Bank aufgrund eines Vertrags mit der Post nicht möglich. Foto: dpa

Die Deutsche Bank will im nächsten Jahr rund 50 ihrer Postbank-Filialen schließen. Eigentlich würde das Management gerne sogar noch mehr Zweigstellen dicht machen, bestätigten dem Handelsblatt mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Personen. Doch das verhindert ein Vertrag mit der Deutschen Post AG. Die Deutsche Bank und die Post wollten das nicht kommentieren.

Die Deutsche Bank hatte 2010 die Mehrheit an der Postbank von der Deutschen Post übernommen. Beide Seiten kooperieren miteinander: In Filialen der Postbank erhalten Kunden auch Post- und Paketdienste, in den Partner-Filialen der Deutschen Post wiederum, können Bankkunden bestimmte Finanzdienstleistungen erhalten.

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In dem Vertrag, der die Deutsche Bank nun ausbremst, ist festgelegt, dass die Deutsche Bank jedes Jahr maximal 50 Filialen der Postbank schließen darf. Diese Möglichkeit hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren auch in den meisten Fällen voll ausgeschöpft.

Insider sagen, dass die Deutsche Bank Gespräche mit der Deutschen Post führt, um im kommenden Jahr mehr als 50 Filialen schließen zu dürfen. Die Erfolgschancen werden allerdings als gering eingestuft. Solche Vorstöße habe es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben, ohne dass sich beide Seiten auf Änderungen der Verträge hätten einigen können.

Zum Teil waren in der Vergangenheit unter bestimmten Bedingungen zwar auch mehr Filialschließungen im Jahr möglich. Immerhin schrumpfte die Zahl der Postbank-Zweigstellen zwischen Ende 2016 und Ende 2019 von 1043 auf rund 800 Filialen. In diesem Jahr wiederum soll die Bank Finanzkreisen zufolge weniger als 50 Standorte aufgegeben haben.

Doch Sonderkonstellationen wie in der Vergangenheit sind in den kommenden Jahren dem Vernehmen nach nicht mehr zu erwarten. Da gehe es wirklich nur noch um 50 Zweigstellen im Jahr, sagten zwei mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt.

Kräftigere Einschnitte als viele Konkurrenten

Die Schließungen bei der Postbank ergänzen die vor Kurzem von der Bank angekündigten Kürzungen im Netz der Deutsche-Bank-Filialen. Das Institut will zeitnah etwa 100 seiner noch 511 Standorte schließen. Auch 400 Filialen würden der Bank erlauben, noch „flächendeckend präsent zu sein“, wie Deutsche-Bank-Manager Philipp Gossow vor kurzem auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking“ sagte. Das Geldhaus strebe den Abbau „so schnell wie möglich“ an und spreche darüber gerade mit den Sozialpartnern.

Schon in den Jahren zuvor hatte die Deutsche Bank unter ihrer eigenen Marke kräftige Einschnitte im Zweigstellennetz vorgenommen und seit 2016 rund 200 Standorte aufgegeben. Damit haben Deutsche Bank und Postbank in den vergangenen vier Jahren überdurchschnittlich viele Filialen geschlossen. Denn das Filialnetz der beiden Marken schrumpfte stärker als das von Volksbanken oder Sparkassen, zeigt ein Abgleich mit den Statistiken der Bundesbank. Die Commerzbank wiederum hatte ungewöhnlich lange an einem breiten Filialnetz festgehalten, plant nun aber drastische Einschnitte.

Das Institut will das Filialnetz seiner zwei Privatkundenmarken aber untereinander effektiver verzahnen. So sollen Kunden der Deutschen Bank auch den Selbstbedienungsbereich von Postbank-Filialen nutzen können, etwa um Kontoauszüge zu ziehen, wie Gossow, der das Privatkundengeschäft der Marke Deutsche Bank verantwortet, erklärte. Gemeinsame Filialen von Deutscher Bank und Postbank hält er allerdings nicht für sinnvoll. Er könne sich zwar vorstellen, dass es in einem Gebäude zwei Filialen gebe, „aber mit unterschiedlichen Eingängen“.

Die Deutsche Bank steht unter Druck, die Kosten in ihrer Privatkundensparte zu senken. Das Institut verhandelt etwa seit einiger Zeit mit seinen Arbeitnehmervertretern über einen weiteren Personalabbau im Bereich Operations (Betrieb), in dem administrative Aufgaben gebündelt sind, sowie in den beiden Zentralen in Frankfurt und Bonn. Außerdem will die Deutsche Bank die Postbank Systems, eine IT-Tochter der Postbank verkaufen.

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