Deutsche-Bank-Vorstand muss erneut auf Boni verzichten

Eigentlich hatte John Cryan für das Jahr 2017 einen Gewinn präsentieren wollen. Und bis Mitte Dezember sah es so aus, als würde der Chef des größten deutschen Finanzinstituts sein Ziel auch erreichen. Doch dann kam die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, und die Bank rutschte wegen einmaliger Sonderbelastung wieder in die Verlustzone.

Die Konsequenz: Der Vorstand werde erneut auf Boni verzichten, wie Cryan in der Nacht zum Samstag auf dem Technologie-Festival SXSW in Austin verriet. Die Mitarbeiter der Deutschen Bank dagegen werden Boni erhalten. Die variable Vergütung zu streichen, „nur weil sich die Steuersätze in den USA ändern, wäre ziemlich streng“, erklärte Cryan, der auf einer Veranstaltung von Zeit Online und der Messe Frankfurt sprach.

Abgesehen davon nutzte Cryan seinen ersten Auftritt auf dem legendären Technologie-Festival, um losgelöst vom Tagesgeschäft über die großen Themen zu sprechen, die mit dem technologischen Wandel zusammenhängen: Könnten große Technologie-Konzerne Banken eines Tages überflüssig machen? Und wie würden Banken aussehen, wenn man sie ganz von neuem aufbauen müsste?


Technologie ist ein immer wiederkehrendes Thema für John Cryan. Schon 2015, kurz nach seinem Amtsantritt, hat er angeordnet, die IT-Systeme der Bank komplett zu modernisieren. Im vergangenen Herbst kündete er an, dass neue, leistungsstarke Software-Programme Mitarbeiter mit repetitiven Aufgaben in Zukunft ersetzen könnten – und das im großen Stil. 2018 will das Institut ein digitales Angebot starten, das sich speziell an Millennials richtet.

Cryan hat klar gemacht: Die Bank darf den Fortschritt nicht verpassen. Mit dieser Botschaft ist er nach Austin gekommen, wo die Technologie-Branche traditionell über die neusten Trends diskutiert und Start-ups wie Twitter entdeckt wurden. „Viele in den obersten zwei bis drei Management-Ebenen haben heute einen Technologie-Hintergrund“, betonte Cryan. „Die Vorstellung, dass auf unserem Handelsparkett in London Händler im Stil von Gordon Gekko ihre Kunden anrufen, ist veraltet“, stellte der CEO klar und spielt damit auf den Hollywood-Streifen „Wall Street“, aus den 80er Jahren an. Statt um Kundenbeziehungen gehe es heute beim Handel eher um Programmierfähigkeiten und um komplexe Systeme mit hohen Anforderungen an die Hard- und Software.

Insgesamt war es ein recht ungewöhnliches Umfeld für den Chef einer Großbank: Cryan saß auf einem Hocker auf der Bühne einer Bar im Zentrum von Austin, von den holzvertäfelten Wänden schauen zwei ausgestopfte Hirschköpfe. Im Hintergrund hörte man den Bartender Cocktails mixen und Bierdosen öffnen. Cryan genoss die Abwechslung sichtlich.

Schlagfertig diskutierte er mit Zeit-Online-Chefredakteur Jochen Wegner über die Blockchain-Technologie – eines der großen Themen dieses Jahr in Austin. „Die schlechteste Anwendung ist bislang der Bitcoin“, stellte Cryan klar. „Die Blockchain funktioniert bei einer kleinen Anzahl von Transaktionen. Aber im größeren Stil ist die CO2-Bilanz einfach furchtbar.“ Die Anzahl der Bitcoins, die er hat? „Null!“


Auf der Suche nach neuen Trends schaut Cryan selbst derzeit eher nach Asien als in die USA. „Amerika hat die meisten Neuerungen der Finanzindustrie erfunden“, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Doch heute liege Asien vorn. Gerade die Internet-Unternehmen Alibaba und Tencent hätten die Bankenregulierer geschickt umgangen und seien zu riesigen Zahlungsdienstleistern geworden, die den Markt dominieren.

Nur über ein Thema wollte Cryan an diesem Abend nicht sprechen: Donald Trump. Der US-Präsident ist ebenso wie sein Schwiegersohn Jared Kushner Kunde der Bank, weshalb deren Konten in diversen Untersuchungen um die Russland-Affäre eine Rolle spielen. Zudem sorgt Trump gerade mit angekündigten Strafzöllen für große Spannungen im transatlantischen Verhältnis. Er habe Trump nie persönlich getroffen, so der CEO. Ob der Präsident gut für die Weltwirtschaft sei? Cryan lacht: „Bei dieser Frage würde ich lieber kneifen.“