Deutsche Bank startet „Robin“


Da ist er endlich. Er heißt Robin, ist ein digitaler Vermögensverwalter und hat gerade in der Digitalfabrik der Deutschen Bank in Sossenheim das Licht der Welt erblickt. Die Werbetrommel rührt die Deutsche Bank für ihren Neuzugang noch nicht. So etwas wie eine Tauffeier soll es nach Informationen des Handelsblatts erst Mitte Dezember geben. Doch schon jetzt können sich Interessierte auf der Seite von Maxblue, der Online-Investment-Plattform der Deutschen Bank, über Robin informieren und Geld von ihm verwalten lassen. Über den Marktstart hatte zuerst Finanz-Szene.de berichtet.

Digitale Vermögensverwaltung wird für Banken immer wichtiger. Nicht nur, weil zahlreiche Fintechs bereits mit sogenannten Robo-Advisors am Markt sind, sondern vor allem wegen regulatorischer Änderungen. Durch die EU-Verordnung Mifid-2 wird es für Banken immer teurer, ihre Kunden persönlich zu beraten. Das rentiert sich nur noch bei sehr hohen Anlagesummen.

Bei digitaler Vermögensverwaltung dagegen sind die Abschlusskosten für die Bank gering. Statt mit einem Anlageberater zu sprechen, klicken sich Kunden online durch eine Antragsstrecke, beantworten Fragen zur persönlichen Finanzsituation, ihren Kenntnisse und Erfahrungen mit Wertpapieren und ihrer Risikobereitschaft. Auf dieser Basis bekommen sie einen Anlagevorschlag und können der Bank ein Mandat für eine Vermögensverwaltung erteilen.


Robin – kurz für Robo-Invest – ist der erste digitale Vermögensverwalter einer großen deutschen Filialbank. Die Direktbank Comdirect hat ein ähnliches Angebot im Mai mit Cominvest gestartet und die Quirin-Bank betreibt schon seit mehreren Jahren die Plattform Quirion. Einige Banken setzen auf die Unterstützung von Fintechs.

Wie gut das funktionieren kann, zeigt die Kooperation der ING-Diba mit dem Robo-Advisor Scalable Capital. Innerhalb von nur zwei Monaten haben Kunden der ING-Diba über Scalable jüngst mehr als 150 Millionen Euro in Indexfonds investiert. Daneben verwaltet Scalable weitere 350 Millionen Euro und gilt damit als Marktführer unter den Robo-Advisors. Daneben setzen unter anderem die 1822direkt, eine Tochter der Frankfurter Sparkasse, und die Smartphone-Bank N26 auf Vaamo als Partner. M.M. Warburg nutzt Elinvar.

Eigentlich sollte Robin schon in diesem Sommer starten, so hatte es Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privat-, Vermögens- und Firmenkundengeschäfts bei der Deutschen Bank, noch im Januar im Gespräch mit dem Handelsblatt angekündigt. Allerdings hat das Bankhaus schon einmal mit einem Robo-Advisor schlechte Erfahrungen gemacht. Ihren „Anlagefinder“ hatte die Bank noch Ende 2015 groß beworben. Ein Jahr später soll die Kundenzahl gerade mal im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen haben. Aus Sicht der Nutzer bot der Anlagefinder wohl zu wenig Service, aus Sicht der Finanzaufsicht Bafin aber schon zu viel. Sie wertet das Angebot als Anlageberatung. Das hätte umfangreiche Dokumentationspflichten nach sich gezogen. Das Angebot wurde zunächst auf der Seite gut versteckt und ist inzwischen gar nicht mehr zu finden.


Vor diesem Hintergrund wundert es dann doch nicht mehr, dass die Deutsche Bank jetzt wohl auf Nummer sicher gehen und sowohl die Bafin als auch ihre Kunden zufriedenstellen will. Die nähere Betrachtung zeigt, dass dies durchaus gelungen sein könnte. Robin können sowohl Bestandskunden der Deutschen Bank nutzen als auch solche, die es noch werden wollen – und das schon ab einem Vermögen in Höhe von 5000 Euro. Damit bewegt sich die Bank im Vergleich zur Konkurrenz im Mittelfeld. Wer bereits Kunde ist, hat den Vorteil, dass im Anmeldeprozess seine Stammdaten automatisch übernommen werden.


Value at Risk-Modell und Analysten-Wissen


Die Antragsstrecke unterscheidet sich wenig von anderen Anbietern. Als Besonderheit fällt jedoch auf, dass angehende Kunden nicht pauschal nach monatlichen Ausgaben gefragt werden, sondern nach einzelnen Posten wie Miete, Nebenkosten, Lebensunterhalt und Krediten. Damit geben Kunden zwar mehr einzelne Daten preis, doch die Aufschlüsselung dürfte zugleich zur Genauigkeit ihrer Angaben beitragen.

Am schwersten dürfte den meisten wohl die Angabe zur persönlichen Risikobereitschaft fallen – wie bei allen Anbietern. Die Kunden müssen angeben, welchen möglichen Kapitalverlust sie pro Jahr akzeptieren würden. Dabei können sie aus einer Spanne von acht bis 34 Prozent wählen. Auf Basis dieser Angabe wird ihnen dann ein maximales Risikolevel zugeordnet. Der Mindestanlagehorizont beträgt zwei Jahre – eine Vertragskündigung soll aber dennoch jederzeit möglich sein.

Die Anlagestrategie basiert auf einem Value at Risk-Modell – ebenso wie bei Scalable Capital. Value at Risk (VaR) bezeichnet dabei das Verlustpotenzial, das durch Marktpreisschwankungen der im Portfolio enthaltenen Anlagen auftreten kann und innerhalb eines definierten Zeitraumes mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.

Laut Maxblue-Website wird das aktuelle Marktgeschehen ständig von Algorithmen analysiert, die auf vorteilhafte Umschichtungen in den Portfolios hinweisen und für Anpassungen sorgen. Andere Robo-Advisors, wie etwa Vaamo, setzen dagegen auf weitgehend fixe Portfolios, die kaum an aktuelle Marktentwicklungen angepasst werden. Welche Strategie vorteilhafter ist, ist schon in der anlagen Vermögensverwaltung heftig umstritten und bleibt letztlich wohl auch in der digitalen Welt Geschmackssache.


Basis für die Bewertung durch die Algorithmen soll bei der Deutschen Bank das Wissen des Chef-Anlagestrategen Ulrich Stephan und seines Analysten-Teams sein. Umgesetzt wird die Strategie wie bei den meisten anderen Robo-Advisors mit Exchange Traded Funds (ETFs), die in Aktien, Anleihen und Rohstoffe investieren. Diese sind in der Regel kostengünstiger als gemanagte Fonds.

Pro Jahr müssen Robin-Kunden mit Kosten für die ETFs in Höhe von durchschnittlich 0,25 Prozent rechnen. Hinzu kommt die Gebühr für die Vermögensverwaltung. Diese liegt je nach Anlagesumme zwischen 0,8 und einem Prozent pro Jahr und wird ausschließlich auf den Teil fällig, der in Wertpapiere investiert ist. Die Berechnung ihrer Gebühr hat die Deutsche Bank beim Fiskus abgeschaut. Sie wird wie der Steuersatz gestaffelt berechnet – nur dass der Prozentsatz mit steigendem Volumen kleiner wird: Für die ersten 25.000 Euro wird jährlich ein Prozent fällig, für Anlagevolumina zwischen 25.000 und 50.000 Euro sind es 0,9 Prozent und für Vermögen oberhalb von 50.000 Euro sind es 0,8 Prozent.

Andere Anbieter, wie etwa Fintego, bieten ebenfalls Gebührenstaffeln, doch diese gelten dann in der Regel für den gesamten Anlagebetrag. Besonders günstig sind laut einer Übersicht des ETF-Extra-Magazins aktuell die Robo-Advisor Visual Vest und Growny, bei denen bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro aktuell jährlich 0,60 beziehungsweise 0,69 Prozent Gebühren plus ETF-Kosten fällig werden.

KONTEXT

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen - und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt - wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. "Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können", meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 "größten Kapitalvernichter" zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, "die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten", wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. "Die untere Hälfte nur ein Prozent", erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. "Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre", so die Ministerin.