Deutsche Bank: Rettung durch Transformation?

Alexander Frymark, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Der Vorstand der Deutschen Bank (WKN: 514000) hat im Juli 2019 einen Transformationsplan veröffentlicht, der vorsieht, die Bank umzustrukturieren. Dieser Plan ist die Antwort auf die Probleme, die das Unternehmen plagen. Beispielsweise hatte die Deutsche Bank im Geschäftsjahr 2019 einen Nettoverlust von 5,39 Mrd. Euro.

Was das Transformationsprogramm der Deutschen Bank beinhaltet

Das Transformationsprogramm sieht viele weitreichende Veränderungen vor. Sie haben gemeinsam, dass sich das Unternehmen auf profitable Sparten fokussieren will. Teil davon sind:

  • große Kostensenkungen

  • Verkleinerung des mit Problemen versehenen Investmentbanking

  • Rückzug aus unrentablem Aktienhandel

  • Konzentration auf rentablen Anleihehandel

  • Fokus auf Rolle als Unternehmensbank mit Kunden im Mittelstand und Asien

  • Entlassung von 18.000 der 92.000 Angestellten bis 2022

  • vollständige Finanzierung des Programms durch Eigenkapital

  • Streichung der Dividende für 2019 und 2020

Die Reaktionen zum Umstrukturierungsprogramm sind überwiegend positiv ausgefallen. Vor allem die Börse hat die Deutsche Bank belohnt. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit Veröffentlichung der Pläne um 25,82 % gestiegen (Bezugsdatum: 11.10.2020; gilt für alle Daten). Verglichen mit dem DAX konnte die Deutsche Bank seit Anfang des Jahres ein Plus von 29,74 % aufweisen, während der DAX um 0,91 % gesunken ist.

Symbolisch wichtig war der Einstieg der Capital Group Anfang Februar 2020. Die Tatsache, dass die amerikanische Investmentbank 3,1 % aller Deutsche-Bank-Aktien erworben hat, wurde als ein positives Zeichen hinsichtlich der Umstrukturierung interpretiert. Am Tag der Bekanntgabe des Einstiegs haben Aktien der Deutschen Bank deshalb bis zu 10 % höher notiert als am Tag zuvor.

Erzielte Fortschritte beim Programm

Am 28.10.2020 – mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung der Transformationspläne – hat die Deutsche Bank die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Der Gewinn nach Steuern liegt bei 309 Mio. Euro, nach einem Verlust nach Steuern von 832 Mio. Euro im dritten Quartal 2019. Darüber hinaus konnte die Deutsche Bank ihre Kosten senken. Die zinsunabhängigen Kosten sind im Jahresvergleich um 10 % gesunken.

Der Umsatz der neuerdings im Fokus stehenden Unternehmensbank ist um 5 % auf 1,3 Mrd. Euro gesunken, weil harter Wettbewerb und Niedrigzinsen Schwierigkeiten bereitet haben. Hingegen stiegen die Erträge in der Investmentbank um beeindruckende 43 % auf 2,4 Mrd. Euro. Der hohe Anstieg lässt sich mit der Rallye erklären, die an der Börse im dritten Quartal stattfand.

Die erreichten Zahlen stimmten den Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing optimistisch, der sagte: „Im fünften Quartal unserer Transformation haben wir neben unserer Kostendisziplin auch gezeigt, dass wir Marktanteile gewinnen können. Unser fokussiertes Geschäftsmodell zahlt sich aus, und wir erwarten, dass sich ein erheblicher Teil unserer Ertragssteigerungen als nachhaltig erweisen wird.“

Alte Schwächen bleiben

Jedoch ist zu beachten, dass die alten Schwächen der Deutschen Bank weiterhin bestehen. Beispielsweise besitzt der Vorstand wenig Deutsche-Bank-Aktien, erhält dafür aber ein hohes Gehalt. Dadurch hat der Vorstand andere Interessen als die Aktionäre der Deutschen Bank, leidet in schlechten Zeiten nicht mit und hat auch weniger Anreize, langfristig zu agieren.

Das ändert auch der Plan des Vorstandsvorsitzenden nicht, bis zum Ende seines Vertrages monatlich Deutsche-Bank-Aktien im Wert von 21.250 Euro zu kaufen. Bei Sewings jährlicher Gesamtvergütung von über 5 Mio. im Jahr 2019 sind 21.250 Euro monatlich nicht weltbewegend.

Darüber hinaus büßt die Deutsche Bank an Vertrauen ein, weil das vor einem Jahr beschlossene Programm bereits heute anders umgesetzt wird. Während zunächst geplant war, das Investmentbanking deutlich zu verkleinern und sich auf das Unternehmenskundengeschäft zu fokussieren, soll heute das Investmentbanking helfen, die Wachstumsziele trotz schwächelndem Unternehmenskundengeschäft einzuhalten.

Ebenfalls sollte sich die Deutsche Bank auf ein angekratztes Image einstellen, da 13 Jahre voller negativer Schlagzeilen nicht auf einen Schlag aus den Köpfen der Investoren verschwinden. Das Imageproblem wird zudem durch die Tatsache verstärkt, dass erst vor wenigen Wochen ein neuer Skandal aufgedeckt wurde, in den die Deutsche Bank verwickelt ist.

Fazit

Was man aus diesem Artikel mitnehmen sollte, ist, dass mit dem Transformationsprogramm erste Weichen gelegt wurden, aber weiterhin viel Arbeit bleibt. In meinen Augen ist die Aktie der Deutschen Bank für Anleger noch immer mit einigen Unsicherheiten und Risiken verbunden, da der Transformationsprozess erst noch vollständig fruchten muss.

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Alexander Frymark besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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