Deutsche Bank plant Investitionen in Spanien

Nach dem abgesagten Verkauf des Privatkundenbereichs hat Landeschef Rodríguez-Pina einen Fünfjahresplan erstellt, der höhere Ausgaben für die Digitalisierung vorsieht. Filialen sollen nicht geschlossen werden.


Nach dem abgesagten Verkauf ihrer Spanien-Tochter setzt die Deutsche Bank auf eine stärkere Digitalisierung ihrer Prozesse auf der iberischen Halbinsel. „Wir arbeiten an einem Strategieplan für die kommenden fünf Jahre, der höhere Investitionen im Privatkundengeschäft vorsieht“, sagte der Spanien-Chef der Deutschen Bank, Antonio Rodríguez-Pina der Wirtschaftszeitung Expansión in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Seinen Fünfjahresplan müsse der Vorstand der Deutschen Bank allerdings noch absegnen. „Es gibt noch keine konkreten Zahlen, aber wir haben die Zusage der Gruppe, mehr in die Digitalisierung zu investieren.“

Die Deutsche Bank hatte ihr Privatkundengeschäft in Spanien im Frühjahr zum Verkauf gestellt, das Vorhaben aber Anfang Oktober wieder abgesagt. Hintergrund der Verkaufsabsichten war der hart umkämpfte spanische Markt. Trotz zahlreicher Fusionen in den vergangenen Jahren buhlen immer noch viele Institute um die Gunst der Kunden. Nach Angaben spanischer Zeitungen ist der Verkauf an zu niedrigen Angeboten gescheitert. Interessenten hätten maximal 500 Millionen Euro für das Geschäft geboten, die Deutsche Bank habe dagegen mindestens 700 Millionen Euro gefordert.

 


Rodríguez-Pina erklärte dagegen, dass nicht die niedrigen Angebote, sondern die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank sowie die Synergien zwischen dem Retail-Geschäft und dem Investmentbanking sowie der Vermögensverwaltung, in denen die Deutsche Bank in Spanien ebenfalls aktiv ist, den Ausschlag für die Entscheidung geben hätten.

„Vor einem Jahr war die deutsche Gruppe in einer sehr heiklen Lage, die sich mit der Kapitalerhöhung gelöst hat. Dadurch war es unter anderem nicht mehr nötig, unser Retail-Netz zu verkaufen“, sagte der Spanien-Chef. Die Erklärung verwundert insofern, als dass im Frühjahr, als die Bank das Spanien-Geschäft zum Verkauf gestellt hatte, bereits klar war, dass eine Kapitalerhöhung folgen würde. Und auch die Synergien mit den anderen beiden Zweigen dürften nicht unbekannt gewesen sein.

Die meisten spanischen Banken sind derzeit dabei, ihr üppiges Filialnetz zu straffen, um Kosten zu sparen. Die Deutsche Bank hat laut Rodríguez-Pina nicht vor, Büros zu schließen, wohl aber, sie besser auf die Landesteile zu verteilen, die strategisch wichtig seien. Die Deutsche Bank hat in Spanien mehr als 220 Filialen, 650.000 Kunden, und gilt als die Nummer zwei unter den ausländischen Instituten, nach der niederländischen ING-Gruppe.