Deutsche-Bank-Finanzchef warnt vor Belastungen – Aktie stürzt ab

Auf einer Investorenkonferenz offenbart der Finanzvorstand der Bank eine Belastung der Investmentsparte. Das schürt Ängste vor einem schlechten Quartalsergebnis.


Spekulationen auf ein enttäuschendes Quartalsergebnis setzen der Deutschen Bank zu. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses fielen am Mittwochmittag um bis zu sieben Prozent und waren mit 11,78 Euro so billig wie zuletzt im Krisenherbst 2016. Im weiteren Verlauf blieben sie unter der 12-Euro-Marke. Aussagen des Finanzvorstandes James von Moltke über das Investmentbanking lösten die neuerlichen Sorgen am Nachmittag aus.

Die Deutsche Bank hat im Investmentbanking, der einstigen Vorzeigesparte des größten deutschen Geldhauses, im ersten Quartal heftigen Gegenwind zu spüren bekommen. Der starke Euro und höhere Refinanzierungskosten führten zu einer Belastung von rund 450 Millionen Euro, sagte Finanzchef James von Moltke am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz der US-Großbank Morgan Stanley in London.

300 Millionen Euro gehen von Moltke zufolge auf das Konto des für die Bank derzeit ungünstigen Wechselkurses der Gemeinschaftswährung zum Dollar, 150 Millionen Euro kommen durch höhere Kosten bei der Refinanzierung zustande. Die Aktie des größten deutschen Geldhauses fiel nach den Aussagen des Top-Bankers um bis zu sieben Prozent.


„Wir berichten in Euro und 40 Prozent unserer Ertragsbasis in der Investmentbank entstehen entweder auf Basis des Dollars oder sind an den Dollar gekoppelt“, erklärte von Moltke, der seit dem vorigen Jahr im Vorstand der Bank sitzt. „Damit sehen wir uns einer Differenz von 15 Prozent im Quartalsvergleich gegenüber, was zu einer Belastung in Höhe von 300 Millionen Euro oder sechs Prozent führt.“ Zusammen mit den um 150 Millionen Euro gestiegenen Refinanzierungskosten addiere sich dies zu einer Gesamtbelastung von 450 Millionen Euro - „bevor es überhaupt um das Geschäft geht“.

Dabei hofften Investoren der Deutschen Bank gerade in der wichtigen Investmentbanking-Sparte auf bessere Zahlen. 2017 hatten die Händler enttäuschende Umsätze präsentiert. Die geringen Kursschwankungen im Rally-Jahr schlugen sich in den Bilanzen der Geldhäuser nieder, nicht nur bei den Frankfurtern.

Unter dem Strich sei das erste Quartal soweit in Ordnung gewesen, „etwas schwächer als im vergangenen Jahr", sagte von Moltke. Es sei allerdings kaum mit dem nach seinen Worten in Teilbereichen hervorragenden ersten Quartal des vergangenen Jahres vergleichbar. Damals hatte die Bank im Investmentbanking, zu dem neben dem Handel mit Wertpapieren auch die Beratung bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen gehört, Erträge von 1,8 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern von 462 Millionen Euro eingefahren.

Die Deutsche Bank hatte sich erst Ende vergangener Woche bei der Vorlage ihres Geschäftsberichts optimistisch zum laufenden Jahr geäußert. Im Brief an die Aktionäre hatte Vorstandschef John Cryan darin erklärt: „Wir bekräftigen unser Ziel, für das Jahr 2018 wieder einen Nettogewinn und eine wettbewerbsfähige Ausschüttung zu erreichen.“ Das Management habe nach Jahren des Umbaus inzwischen die Grundlagen geschaffen worden, „das Potenzial unserer Bank wieder auszuschöpfen.“

Der Kursrutsch findet kurz vor dem Börsengang der Fondstochter DWS statt. Mit einer Preisspanne zwischen 32 und 33 Euro wird die Emission zwischen 1,3 bis 1,65 Milliarden Euro in die Kassen der Bank spülen. Interne Berechnungen waren im Vorfeld von einem höheren Wert ausgegangen.