Deutsche Bank macht einen Jahresverlust von 500 Millionen Euro

Das Quartalsminus fällt größer aus als erwartet. Die Einnahmen fallen – und beim Sparen kommt Vorstandschef Cryan auch nicht voran.


Die Deutsche Bank macht im Jahr 2017 einen Verlust von 500 Millionen Euro Euro. Das gab das größte deutsche Geldhaus am Freitagmorgen bekannt. Vor Steuern erzielte die Bank einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro. Der Sondereffekt durch die US-Steuerreform drückt die Bank allerdings in die Verlustzone.

Die Bank hatte ihre Aktionäre bereits Anfang Januar davor gewarnt. Ohne die Steuerreform hätte sie nach eigenen Angaben einen Jahresgewinn nach Steuern von etwa 900 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr hatte der Verlust bei 1,4 Milliarden Euro gelegen, im Jahr 2015 sogar bei 6,8 Milliarden Euro.

Vorstandschef Cryan sieht die Bank dennoch „auf einem guten Weg zu nachhaltigem Wachstum und einer höheren Rendite“. Die Bank habe „Fortschritte gemacht“ – beispielsweise käme man beim Zusammenschluss mit der Postbank und dem Teilbörsengang der Vermögensverwaltung DWS gut voran – aber er sei „mit unseren Ergebnissen noch nicht zufrieden“.


Die altbekannten Probleme machten sich jedoch im vierten Quartal erneut bemerkbar. Unterm Strich steht für diesen Zeitraum ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro vor Steuern – das war mehr, als die pessimistischsten Analysten erwartet hatten. Nach Steuern lag das Minus bei 2,2 Milliarden Euro – hier wird die Belastung durch die Reform in den USA besonders deutlich. Das Ergebnis sei „allerdings auch von einem ungünstigen Ertragsumfeld an den Kapitalmärkten geprägt“, so die Deutsche Bank.

Besonders im wichtigen Investmentbanking lief es schwach: die Erträge brachen um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro ein. Grund dafür seien die geringen Schwankungen an den Finanzmärkten, weswegen sich Großkunden beim Handel zurückhielten. Im Handel mit Anleihen und Währungen liegt der Rückgang bei 29 Prozent, im Aktienhandel bei 25 Prozent.

Im Gesamtjahr 2017 gingen die Erträge um zwölf Prozent auf 26,4 Milliarden Euro zurück. Dies sei zum Teil durch die Verkäufe von Tochtergesellschaften begründet, etwa der Hua Xia Bank oder der Abbey Life.

Außerdem kündigte die Bank an, dass sie „zu ihrem normalen System der variablen Vergütung zurückgekehrt ist“. Die Boni-Debatte hatte zuletzt für zahlreiche Diskussionen gesorgt. Insbesondere die Chefs der Investmentbank, Marcus Schenck und Garth Ritchie hatten auf eine Aufstockung der Prämien gedrängt.


Cryan hat bei seinem Amtsantritt versprochen, die um Abfindungen, Restrukturierungen, Rechtsrisiken und Abschreibungen auf den Firmenwert bereinigten Kosten bis Ende 2018 auf 22 Milliarden Euro zu drücken. Dieses Ziel hat Cryan nun kassiert: Die Bank plant fortan mit Kosten in Höhe von 23 Milliarden Euro. Das frühere Ziel beinhaltete rund 900 Millionen Euro an Kosteneinsparungen durch Veräußerungen von Geschäften, die sich verzögert hätten oder aufgeschoben würden. Im Jahr 2017 schlugen hier 23,8 Milliarden Euro zu Buche, im Vorjahr waren es 24,7 Milliarden Euro.

Der Druck auf Cryan wird damit immer größer. Die Verdienste des Briten als harter, schonungsloser Sanierer sind unbestritten. Doch mittlerweile mehren sich die Zweifel, ob Cryan noch der richtige Mann ist, um die Bank nach den wichtigen Aufräumarbeiten auf Wachstumskurs zu bringen. Nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 hatte Cryan radikal ausgemistet. Teure juristische Altfälle wurden konsequent beendet, die IT wird auf Vordermann gebracht, die Integration der Postbank in den Konzern läuft.

Außerdem muss die Bank aufgrund von Marktmanipulationen eine Millionenstrafe in den USA zahlen. Eine Aufsichtsbehörde bestrafte falsche Angaben der Bank zur Beeinflussung des Referenzzinssatzes Isdafix.