Deutsche Bank: Aus für Cryan – Vize Sewing übernimmt

Nikolas Kessler
1 / 1
Deutsche Bank: Aus für Cryan – Vize Sewing übernimmt

Die Deutschen Bank hat sich am Sonntag von CEO John Cryan getrennt und Vize-Chef Christian Sewing mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Der Chefwechsel dürfte auch Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung von Deutschlands größer Bank haben. Die Aktie der Deutschen Bank legt daraufhin kräftig zu.

Nach knapp drei Jahren im Amt hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank ihrem bisherigen Vorstandschef den Laufpass gegeben. John Cryan legt mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder und wird das Institut Ende April verlassen, heißt es in einer Pressemitteilung. An seine Stelle tritt Christian Sewing, einer von zwei Vize-Vorstandschefs und verantwortlich für den Unternehmensbereich Privat- und Firmenkundenbank.

Auch Marcus Schenk, der zweite Vize neben Sewing und gemeinsam mit Garth Ritchie für das Investmentbanking verantwortlich, wird das Institut mit Ablauf der Hauptversammlung am 24. Mai verlassen. Ab diesem Zeitpunkt wird Ritchie die Unternehmens- und Investmentbank alleine führen. Zudem wurden er und Vorstandsmitglied Karl von Rohr zu stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Die Ernennung des Privatkunden-Vorstands zum neuen CEO dürfte auch Signalwirkung für die künftige strategische Ausrichtung der Deutschen Bank haben. Das prestigeträchtige Investment-Banking steht zwar immer noch für einen Großteil der Erträge, kostet wegen der hohen Boni für die Investmentbanker allerdings auch viel Geld. Deshalb steht der Bereich einmal mehr auf dem Prüfstand: Am Ende eines umfassenden Checks sollen Empfehlungen an den Vorstand stehen, die weitere Stellenstreichungen und den Rückzug aus oder die Stärkung von speziellen Aktivitäten beinhalten könnten, so das Ziel der „Projekt Colombo“ getauften Überprüfung.

Ende war absehbar

Cryan, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2020 gelaufen wäre, war vor knapp drei Jahren als Sanierer zur Deutschen Bank gekommen. Spätestens seit der jüngsten Gewinnwarnung und einem immer tieferen Absturz des Aktienkurses galt er jedoch als angezählt und das Verhältnis zu Aufsichtsratschef Paul Achleitner als zerrüttet. Bereits in der Vorwoche hatte die Suche nach einem Nachfolger immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Börse feiert Chefwechsel

Auch wenn die Trennung von Cryan wenig überraschend kommt, reagieren die Anleger am Montagmorgen positiv. Im vorbörslichen Handel kann die Aktie über fünf Prozent zulegen. Ob Sewing als altgedienter Mitarbeiter die nötigen, frischen Impulse setzen kann, muss sich allerdings erst zeigen. Die Aktie bleibt eine Halteposition.