Deutsche Bank fällt zurück


Die aktuelle Rangliste des Wealth-Management-Analysehauses Scorpio Partnership hat es in sich: Die Deutsche Bank ist danach im vergangenen Jahr in der Rangliste der weltgrößten Private-Banking-Institute um fünf Plätze auf Rang 16 abgerutscht. Die Vermögenswerte im Private Banking schrumpften danach im vergangenen Jahr in US-Dollar gerechnet um 28 Prozent ab auf 227 Milliarden Dollar, zeigt die Analyse. Im Durchschnitt stiegen die für reiche Kunden verwalteten Vermögen bei allen Banken dagegen um vier Prozent.

Für die Ambitionen des Geldhauses ist das ein bitterer Dämpfer. Anfang 2016 hatte sich Fabrizio Campelli, der das Geschäft für wohlhabende Privatkunden operativ leitet, noch zum Ziel gesetzt, die Deutsche Bank in den nächsten Jahren in die Top-5 in diesem Geschäftsfeld zu führen. Mittlerweile ist er bescheidener geworden und setzt sich für dieses Ziel keine Frist mehr. „Wenn das bis 2020 klappt, dann würde mich das freuen. Wenn das länger dauert, ist das auch in Ordnung“, sagte er im vergangenen September in einem Interview.

Die Spitzenplätze, von denen die Deutsche Bank träumt, haben andere inne: Die Schweizer Großbank UBS, die Vermögenswerte von 2,06 Billionen Dollar halten konnte, verteidigte ihre Rolle als weltweit führender Vermögensverwalter. Auf den nächsten Plätzen folgten Bank of America, Morgan Stanley, Wells Fargo und Royal Bank of Canada. Insgesamt vereinten die weltgrößten Private-Banking-Institute 13,3 Billionen Dollar an Kundengelder und deckten damit 63,2 Prozent des Marktes ab.


Der Rückschlag für die Deutsche Bank hat mehr als eine Ursache: Natürlich ist ein Teil der Verluste auf die Krise des Geldhauses im vergangenen Herbst zurückzuführen. Damals sickerte durch, dass die US-Behörden von der Bank 14 Milliarden Dollar, also eine enorm hohe Geldzahlung, zur Beilegung eines Rechtsstreits um fragwürdige US-Hypotheken gefordert hatten. Zwar einigten sich beide Seiten am Ende auf eine deutlich niedrigere Strafe von 7,2 Milliarden Dollar, doch einige Monate lang galt die Bank als so angeschlagen, dass sogar Gerüchte um notwendige Staatshilfen die Runde machten. Das schadete der Bank nicht allein im Investmentbanking, auch reiche Kunden in der Vermögensverwaltung zogen sicherheitshalber Gelder ab.

Doch noch stärker schlägt ein ganz anderer Effekt zu Buche: „Mehr als 60 Prozent der Asset-Verluste lassen sich darauf zurückführen, dass wir uns aus einzelnen Ländern und Aktivitäten zurückgezogen haben“, erläuterte eine Sprecherin des Instituts. Die Bank hatte unter anderem in den USA ihre Handels- und Broker-Aktivitäten im Bereich der vermögenden Privatkunden, das „Private Client Services“-Geschäft an Raymond James Financial verkauft. Allein das führte zu einem Rückgang des verwalteten Vermögens von 37 Milliarden Euro, vor allem in der Wealth-Management-Sparte.

Von den Rückgängen im vergangenen Jahr hat sich das Institut bis heute nicht wirklich erholt, trotz der Einigung mit der US-Justiz im vergangenen Dezember und trotz der großen Kapitalerhöhung im April. Ihrer Quartalspräsentation zufolge betrugen die Nettoneuzuflüsse in dem Bereich im ersten Halbjahr bei gerade einmal zwei Milliarden Euro. Bei einem Gesamtvolumen von verwalteten Vermögenswerten von 215 Milliarden Euro ist das nicht gerade viel. Zum Vergleich: Ende 2015 lag diese Summe noch bei 290 Milliarden Euro.