Deutsche Bank erwägt bis zu 20% kleineren Bonuspool: Kreise

Steven Arons und Eyk Henning

(Bloomberg) -- Die Deutsche Bank AG erwägt tiefe Einschnitte bei den Boni in diesem Jahr. Im Rahmen eines radikalen Umbaus strebt Vorstandschef Christian Sewing Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe an.

Das größte deutsche Geldinstitut könnte die leistungsbezogene Vergütung um bis zu 20% reduzieren, was den Rückgang von 5% bei der Belegschaft der Bank in diesem Jahr übertreffen würde, berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Sewing und der Vorstand hätten noch keine endgültige Entscheidung getroffen, da das vierte Quartal noch nicht vorbei sei, sagten die Personen.

Vertreter der Deutschen Bank standen für eine Stellungsnahme nicht unmittelbar zur Verfügung.

Sewing bemüht sich, bei der problembehafteten Investmentbank Spitzenkräfte bei der Stange zu halten, während er für die nächsten Jahre Kosteneinsparungen von etwa 6 Milliarden Euro versprochen hat. Diese Herausforderung ist nun um so dringlicher geworden, da er die Investmentbank wieder zum Mittelpunkt der Wachstumspläne der Deutschen Bank gemacht hat.

Die Erträge in dem von Mark Fedorcik und Ram Nayak geleiteten Geschäftsbereich sind in den ersten neun Monaten des Jahres um 11 Prozent gesunken, während der Vorsteuergewinn um 47 Prozent eingebrochen ist. Sewing sagte jedoch am Dienstag, dass die “Dynamik” in dem Bereich in letzter Zeit ermutigend gewesen sei. Ähnlich äußerten sich auch andere Investmentbanken, die auf bessere Handelsbedingungen im vierten Quartal verwiesen.

Ausblick angehoben

Die Deutsche Bank hat in dieser Woche ihren Ausblick für die Investmentbank angehoben, was den Turnaround praktisch abhängiger von dem Bereich macht, in dem in den letzten Jahren die meisten Kürzungen erfolgten. Gleichzeitig hat die Bank das mittelfristige Ertragsziel formell von 25 Milliarden Euro auf rund 24,5 Milliarden Euro gesenkt. Sie sagte, dass die Privat- und die Firmenkundenabteilungen, die im Mittelpunkt von Sewings Turnarounds stehen, besonders stark von den negativen Zinsen betroffen seien.

Nayak, der für den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren zuständig ist, sagte, die Bank habe den Großteil der Kürzungen bei den ertragsgenerierenden Mitarbeitern der Investmentbank abgeschlossen. Er sei optimistisch, dass seine Sparte, die in diesem Jahr für einen Rückgang der Erträge der Investmentbank verantwortlich war, diesen Trend seitdem gestoppt habe.

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden Euro für Bonuszahlungen ausgegeben und gesagt, dass das Volumen der Leistungsprämien in diesem Jahr die geringere Zahl der Mitarbeiter widerspiegeln werde. Sewing betreibt auch den Ausstieg aus dem Aktienhandel und transferiert bis zu 1.300 Mitarbeiter aus dem Bereich, der auf Hedgefonds ausgerichtet ist, an BNP Paribas.

Europäische Investmentbanker müssen sich 2019 generell auf geringere Boni einstellen, viele erwarten Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich.

Für Sewing ist die Vergütungsfrage ein Balanceakt: Mithilfe der Leistungsprämien könnte er so genannte “Rainmaker” - Banker, die viel Neugeschäft hereinbringen - zum Bleiben bewegen. Dadurch könnte der CEO das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie Aktien- und Bondemissionen verteidigen, während die Bank an anderer Stelle starke Kürzungen vornimmt.

Mehr als ein Dutzend profilierter Top-Manager aus den Bereichen der Investmentbank, an denen Sewing festhalten will, ist seit Mai zur Konkurrenz gegangen. Damals hatte er deutlich signalisiert, in der einst dominierenden Einheit Einschnitte vorzunehmen. Viele Spitzen-Performer bleiben nur, weil die Vergütung immer noch vergleichsweise gut sei, verlautete aus informierten Kreisen. Die Moral sei nach Jahren schrittweiser Kürzungen am Boden.

Die Deutsche Bank entscheidet über die Boni im Dezember und Januar und zahlt diese im März.

(Neu: Unterüberschrift, Absätze 6 und 7 sowie 10 bis 12)

Kontakt Reporter: Steven Arons in Frankfurt sarons@bloomberg.net;Eyk Henning in Frankfurt ehenning1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Dale Crofts dcrofts@bloomberg.net, Ross Larsen

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

©2019 Bloomberg L.P.