Deutsche Bank: Cryan unter Beschuss

Nikolas Kessler
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Unter den Aktionären der Deutsche Bank wächst die Unzufriedenheit mit Vorstandschef John Cryan. In den zwei Jahren an der Spitze des Instituts habe er „schlicht zu wenig“ verändert, kritisiert ein anonymer Top-Aktionär. Die Rückkehr auf den Wachstumspfad trauen sie dem Institut unter Cryan offenbar nicht zu.

Noch vor rund einem Jahr stand die Deutsche Bank mit dem Rücken zur Wand: Milliardenforderungen im Streit um fragwürde Hypothekengeschäfte in den USA und der Rückzug von Hedgefonds zogen die Stabilität des größten deutschen Geldhauses im Zweifel. Zwar sind diese Befürchtungen nach einer Einigung mit den US-Behörden auf eine niedrigere Geldbuße und einer Kapitalerhöhung inzwischen vom Tisch. Doch bei den Investoren schwindet inzwischen die Begeisterung für Sanierer John Cryan an der Unternehmensspitze.

„Der Vorstandsvorsitzende hatte im Frühjahr eine komfortable Ausgangslage, aber er hat sie schlecht genutzt. Ich glaube zunehmend, dass er nicht mehr der Richtige ist“, zitiert das Handelsblatt am Donnerstag einen einflussreichen Großinvestor. Ein anderer, namentlich ebenfalls nicht genannter Investor kritisiert, dass Cryan in den gut zwei Jahren an der Spitze zu wenig verändert habe.

Auch in Katar, wo die Herrscherfamilie insgesamt rund neun Prozent der Anteile an der Deutschen Bank hält, wird dem Bericht zufolge Kritik laut. Zwar schätze man Cryan dort als Sanierer, als geeigneten Mann für die Zukunft sehe man ihn dort aber nicht. Dass Cryan nicht nur Übergangslösung sein will und kürzlich in einem Interview sagte, dass er sich unter Umständen eine Vertragsverlängerung über 2020 hinaus vorstellen könnte, ist im Wüstenstaat gar nicht gut angekommen.

Auch ein anderer großer Investoren glaube nicht so recht an eine Zukunft mit Cryan an der Spitze: „Die aktuelle Strategie ist aber klar auf seine beiden Stellvertreter, Marcus Schenck und Christian Sewing, gemünzt.“

Enttäuschende Quartalsbilanz belastet

Cryans Problem: Das bisher Erreichte schlägt sich nicht in den Zahlen nieder. Verglichen mit dem Vorjahr sind die Einnahmen im ersten Halbjahr um zehn Prozent gesunken. Dass die Bank mehr verdient hat, liege vor allem an Sparmaßnahmen und geringeren Aufwendungen für die Risikovorsorge. „Der Vorstand braucht dringend Erfolge, denn mit jedem enttäuschenden Quartal nimmt der Druck zu“, so Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich gegenüber dem Handelsblatt.

Analysten trauen der Deutschen Bank allerdings auch im dritten Quartal nicht allzu viel zu. US-Schwergewichte wie Goldman Sachs und JPMorgan haben jüngst über einen mauen Sommerhandel geklagt – kein gutes Vorzeichen für die Q3-Zahlen der Deutschen Bank am 26. Oktober.

Aktie halten

Die Querelen um den Vorstandschef belasten am Donnerstag auch die Aktie des Instituts: Mit einem Minus von rund 0,7 Prozent gehört die Deutsche-Bank-Aktie zu den größten Verlierern im DAX. Investierte Anleger können zwar dabei bleiben, Neueinsteiger sollten dagegen lieber einen Blick auf die Commerzbank werfen.