Deutsche Bank, Citi sehen bei Zinanhebungen 50% Rezessionsrisiko

(Bloomberg) -- Christian Sewing, der Vorstandschef der Deutsche Bank AG, sieht die Weltwirtschaft auf eine Rezession zusteuern, wenn die Notenbanken ihre Bemühungen zur Eindämmung der Inflation verstärken. Er schloss sich damit einem wachsenden Chor von Wirtschaftslenkern an, die ein pessimistisches Bild der Konjunktur zeichnen.

Sewing nannte bei der Future of Finance-Konferenz von Bloomberg in Frankfurt eine Vielzahl von belastenden Faktoren, von Lieferkettenproblemen über steigende Lebensmittelpreise bis hin zum Risiko einer weiteren Coronavirus-Welle. Während die Bank schon seit einiger Zeit vorausgesagt hatte, dass die Zinssätze steigen würden, um den Preisanstieg einzudämmen, überraschte ihn das Tempo, mit dem die Währungshüter nun die Geldpolitik straffen.

“Zumindest würde ich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession bei 50% liegt”, sagte Sewing. In den USA und in Europa ist “die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 bei gleichzeitig steigenden Zinssätzen offensichtlich höher als die Prognosen, die wir vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine hatten.”

Analysten der Citigroup Inc. hatten ebenfalls am Mittwoch eine ähnliche Vorhersage gemacht und dafür Angebotsschocks und höhere Zinssätze angeführt. Laut Sewing sind die Maßnahmen der Zentralbanken trotz der konjunkturellen Folgen unverzichtbar, um die Inflation, die er als Risiko für die Demokratie bezeichnete, auf ein nachhaltigeres Niveau zu bringen.

“Die Erfahrung der Geschichte zeigt, dass Disinflation oft mit erheblichen Kosten für das Wachstum verbunden ist, und wir sehen die Gesamtwahrscheinlichkeit einer Rezession jetzt bei annähernd 50%”, schrieben die Wirtschaftsexperten der Citigroup. “Die Zentralbanken können noch die weiche - oder annähernd weiche - Landung herbeiführen, die in ihren Prognosen (und in unseren) enthalten ist, aber dazu müssen die Angebotsschocks abklingen und die Nachfrage widerstandsfähig bleiben.”

Die Citigroup geht nun davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3% und im Jahr 2023 um 2,8% wachsen wird. Die Volkswirte erklärten, dass es sich bei einer Rezession wahrscheinlich um eine “gewöhnliche” Rezession handeln würde, bei der die Arbeitslosigkeit um mehrere Prozentpunkte ansteigt und die Produktion einige schwache Quartale erlebt.

Sewing wies darauf hin, dass die Deutschen Bank bereits vor einem Jahr vor einer hartnäckigen Inflation gewarnt habe. Er habe die ultralockere Geldpolitik immer kritisiert, insbesondere in Europa, wo jahrelang negative Zinssätze die Erträge der Banken aus der Kreditvergabe geschmälert hätten.

Die jetzt erwarteten Zinserhöhungen seien für die Kreditgeber immer noch “netto positiv”, solange sie bei der Vergabe von Krediten die Risiken umsichtig einschätzen würden, so Sewing.

Überschrift des Artikels im Original:

Deutsche Bank, Citi See 50% Recession Chance as Rates Rise (1)

(Neu: Citi. In einer früheren Fassung wurde der Zeithorizont der Prognose korrigiert)

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