Deutsche-Bank-Chef: Müssen echten europäischen Heimatmarkt schaffen

FRANKFURT (dpa-AFX) -Europa braucht zur Bewältigung der gewaltigen finanziellen Herausforderungen der nächsten Jahre nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dringend einen leistungsfähigeren Kapitalmarkt. "Wir brauchen eine Agenda 2030 für Europa. Und der allererste Schritt muss sein, dass wir endlich einen echten europäischen Heimatmarkt schaffen", sagte Sewing am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt.

"Leider wird es angesichts des mangelnden politischen Willens oder der fehlenden Einigkeit in der EU selbst im besten Fall viele Jahre dauern, die Kapitalmarktunion zu vollenden", sagte Sewing. Bei der Kapitalmarktunion geht es im Kern darum, bürokratische Hürden zwischen den einzelnen EU-Staaten abzubauen, um Unternehmen mehr Möglichkeiten zu geben, sich Geld zu beschaffen. Pläne der EU-Kommission für eine Kapitalmarktunion liegen seit September 2015 auf dem Tisch, doch die Umsetzung stockt.

Ohne eine deutliche Steigerung der Investitionen des Privatsektors könne Europa nicht wettbewerbsfähig sein, warnte Sewing. "Wir werden weder die nachhaltige Transformation meistern noch technologisch mithalten können", sagte Sewing. "Deshalb ist es so wichtig, die Kapitalmarktunion endlich voranzutreiben, um einen liquiden und attraktiven Markt für in- und ausländische Investoren zu schaffen", mahnte der Deutsche-Bank-Chef.

"Die strategische Autonomie Europas ist nicht möglich ohne starke Banken, die die Wirtschaft in allen Situationen mit voller Kraft unterstützen können - und die auf globaler Ebene wettbewerbsfähig sind", bekräftigte Sewing, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist. Es werde "immer deutlicher, dass der derzeitige regulatorische Rahmen wenig zur Stärkung der europäischen Banken beiträgt". Die Regulierung in Europa müsse neu justiert werden.