Deutsche Bank-Aktie: Oberflächlich günstig, aber...

Gegenwärtig macht die Deutsche Bank vor allem mit Schlagzeilen rund um personelle Änderungen auf sich aufmerksam. Erst kürzlich wurde vermeldet, dass für den bisherigen Deutsche Bank-Chef John Cryan zum Ende des Monats endgültig der Vorhang fällt. Für ihn wird ab sofort der langjährige Deutsche-Bank-Mitarbeiter und führungserfahrene Christian Sewing das Ruder übernehmen.

Doch auch neben diesen Personal-Quereleien gibt es einige Gründe, weshalb langfristige Anleger die Aktie der Deutschen Bank nach wie vor mit Vorsicht genießen sollten.

Ein Blick auf den Chart

Deutsche Bank Aktie

Der Blick auf den Chart könnte allerdings zunächst ein anderes Bild vermitteln – nämlich das einer günstigen Aktie. Von ihrem Allzeithoch bei über 88 Euro je Anteilschein im Mai des Jahres 2007 ging es in den letzten Jahren fast ausschließlich bergab. Gegenwärtig (Schlusskurs 10.04.2018) notiert die Aktie lediglich noch bei einem Kurs von 11,43 Euro, was in etwa einem Achtel dieses Hochs entspricht.

Auch die jüngste Erholung seit dem Herbst des letzten Jahres erwies sich aus Kurssicht nicht als nachhaltig. Hier konnte zwischenzeitig zwar die Marke von 15 Euro mehrfach geknackt werden und der Kursverlauf liebäugelte sogar zeitweise mit der 18-Euro-Marke. Allerdings geriet die Aktie zuletzt unter Druck und rutschte wieder auf das vorgenannte Kursniveau ab.

Doch selbst nach diesem sowohl langfristigen, als auch kurzfristigen Kursdebakel scheint die Aktie insgesamt lediglich optisch vergleichsweise günstig zu sein. Erst bei stabiler Überwindung einzelner Widerstandslinien um 13,30 Euro und 16,50 Euro darf von einem nachhaltigen Aufschwung geträumt werden.

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Ein Blick auf fundamentale Aspekte

Bereits bei der fundamentalen Analyse ergibt sich nämlich ein deutlich gespalteneres Bild. Mit einem 2017er Buchwert von 32,83 Euro je Anteilschein notiert die Aktie bei den derzeitigen Kursgefilden zwar deutlich unter diesem Wert – was durchaus auf eine Unterbewertung schließen lassen könnte. Allerdings sollten Investoren hier nicht in die Value-Falle tappen.

Denn es gibt gute Gründe, weshalb der Markt die Aktie mit solch einem Abschlag zum Buchwert bepreist. Ein näherer Blick in das Zahlenwerk offenbart so nämlich, dass die Deutsche Bank operativ nach wie vor im Krisenmodus feststeckt.

Zum einen sollte in diesem Kontext erwähnt werden, dass die Ertragslage konzernübergreifend weiterhin rückläufig ist. Von einem 2015er Ertrag in Höhe von rund 32,5 Milliarden Euro ging es in den letzten beiden Jahren signifikant abwärts auf lediglich noch 25,9 Milliarden Euro – ein Einbruch von mehr als 20 %. Der auf die einzelnen Aktien entfallene Ertragsanteil wurde zusätzlich noch durch massive Kapitalerhöhungen verwässert. Auf diese werden wir übrigens im nächsten Kapital noch einmal zu sprechen kommen.

Zudem ist die Bank nach wie vor nicht profitabel. Zwar bildete der Verlust von knapp 6,8 Milliarden Euro in 2015 die unangefochtene Spitze des Negativlaufs. In 2017 betrug der Jahresfehlbetrag aber noch 751 Millionen Euro. Operativ konnte die Bank zwar mit einem Ergebnis vor Steuern in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro schwarze Zahlen schreiben, dennoch ist die Deutsche Bank angesichts des ausgewiesenen Verlusts noch nicht aus der Verlustzone heraus.

Wer allerdings an den fundamentalen, operativen Turnaround glauben möchte, sollte jedoch mindestens einen weiteren, vor allem für die Aktionäre relevanten Aspekt berücksichtigen.

Die Aktionärskultur

Innerhalb der letzten Jahre gab es immer wieder gewisse Momente im operativen Geschäftsverlauf der Deutschen Bank, die in Interessierten und Investoren ernsthafte Zweifel an der Integrität der Aktionärskultur der Deutschen Bank schüren sollten.

Denn trotz des schwierigen Umfeld, trotz der hohen Verluste, sowie trotz aller Kapitalerhöhungen gab es eine Konstante bei der Deutschen Bank: Die Boni der Mitarbeiter. Wie The Motley Fool Deutschland in diesem Kontext kürzlich erst berichtete, wurden innerhalb der letzten sieben Jahre rund 22,5 Milliarden Euro an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Eine in vielen Analysen deutlich zu hohe Zahl, zumal das Geldhaus im gleichen Zeitraum Kapitalerhöhungen im Umfang von rund 30 Milliarden Euro durchgeführt hat. Wer eins und eins zusammen zählen kann, dürfte wohl erahnen, wo ein Großteil dieses eingesammelten Geldes zumindest de facto hingeflossen ist.

Die Investoren mussten sich hingegen mit Dividendenkürzungen und –streichungen zufrieden geben. Neben den zu verkraftenden Kapitalerhöhungen, die sowieso kontinuierlich zu Verwässerungseffekten geführt haben. Auch für das Geschäftsjahr 2017 werden Investoren aus Dividendensicht voraussichtlich mit gerade einmal 0,11 Euro je Aktie abgespeist, was übrigens in Summe etwa einem Zehntel der Gesamtausschüttung für die Mitarbeiter-Boni entspricht.

Das unterstreicht in meinen Augen ziemlich deutlich, mit welchem Fokus die Deutsche Bank operiert. Die Aktionäre stehen hier – wenn überhaupt – lediglich an zweiter Stelle.

Unterm Strich

Letztlich glänzt die Deutsche Bank daher mit wenigen Aspekten, die eine langfristige Investition auszeichnen sollte. Operativ läuft es nach wie vor nicht rund und das, was hypothetisch irgendwann einmal unterm Strich als Gewinn ausgewiesen werden könnte, wird voraussichtlich auch weiterhin in Mitarbeiter-Boni versinken. Mehrwerte für die Aktionäre, die zu Kurssteigerungen oder erhöhten Dividenden führen könnten, scheinen daher weit entfernt.

Selbst für langfristige Aktionäre gilt daher: Eine Investition in die Deutsche Bank steht prinzipiell unter kaum guten Vorzeichen. Vielleicht wird der neue Deutsche Bank-Chef an der einen oder anderen Krisen-Schraube rütteln, wer weiß. Vielleicht werden steigende Zinsen irgendwann einmal für bessere Zeiten sorgen. Doch bevor diesbezüglich nichts konkret Rettendes bekannt wird, sollten Investoren womöglich lieber an der beobachtenden Seitenlinie verweilen.

Oder aber sich mit gänzlich anderen, attraktiveren, profitableren und aktionärsfreundlicheren Alternativen beschäftigten, die nach der jüngsten marktbreiten Korrektur durchaus vorhanden sind.

Disclosure: Der Autor Vincent Uhr besitzt keine der erwähnten Aktien.