Deutsche Bank überrascht mit Quartalsgewinn! Aber dennoch: Licht und Schatten im Zahlenwerk …

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie der Deutschen Bank (WKN: 514000) hat zum Beginn der neuen Woche viele Investoren mächtig überrascht: Das Zahlenwerk des Geldhauses ist überraschend positiv. Zumindest unterm Strich ist die Erlös- und Ertragslage bedeutend besser gewesen, als vom breiten Markt erwartet worden ist.

Dennoch zeichnet sich auch hier womöglich mittel- bis langfristig ab, dass das Coronavirus einige Spuren im Zahlenwerk und der Bilanz hinterlassen wird. Auch wenn das Geldhaus kurzfristig sogar von den aufkommenden Unsicherheiten profitieren kann.

Wie all das unterm Strich aussehen kann? Eine spannende Frage. Versuchen wir einige Antworten zu finden, indem wir einen näheren Blick auf das Zahlenupdate riskieren.

Die eigentlich soliden Zahlen im Blick

Zweifellos: Kurzfristig können sich die Zahlen der Deutschen Bank durchaus sehen lassen. Das deutsche Geldhaus Nummer eins hat unterm Strich ein positives Ergebnis von 66 Mio. Euro erzielt, wobei Analysten im Vorfeld eher mit einem Minus von 400 Mio. Euro gerechnet haben. Und auch die Erlöse haben die Erwartungen übertroffen.

Hier konnte die Deutsche Bank mit 6,4 Mrd. Euro ebenfalls positiv überraschen, zumal Analysten mit lediglich 5,7 Mrd. Euro gerechnet haben. Entsprechend zeigte sich das Management hocherfreut, dass der Konzernumbau erste Früchte trägt. Aber können wir hier wirklich von einem langfristigen Effekt sprechen?

Wie jedenfalls das Anlegermagazin „Der Aktionär“ herausstellt, profitiert die Deutsche Bank in diesen Tagen von der maximal gestiegenen Unsicherheit. Viele Unternehmen und Konzerne hätten demnach in den letzten Wochen ihre Kreditlinien teilweise erheblich hochgefahren und sich mit Liquidität versorgt. Das belebt kurzfristig natürlich das operative Geschäft. Sowie die Ertragslage. Immerhin werden auf die ausgegebenen Gelder Zinsen fällig.

Ein Manko dieses Zahlenwerks ist jedoch, dass die harte Kernkapitalquote, die eigentlich im Rahmen des Konzernumbaus nie unter 12,5 % fallen sollte, schon jetzt auf 12,8 % gefallen ist. Dieses Ziel ist entsprechend aufgegeben worden, was die finanzielle Stabilität des Geldhauses etwas schlechter werden lässt. Das ist gewiss kein Beinbruch und dem Coronavirus in gewisser Weise geschuldet. Aber dennoch ein Aspekt, den man als Investor im Auge behalten sollte.

Bleibt es mittelfristig so gut?

Das Management ist jedenfalls auch für das Gesamtjahr optimistisch eingestellt und hat die eigenen Ziele bestätigt. Allerdings sollten sich Investoren dennoch fragen, wie sehr dieser Optimismus anhalten wird. In unsicheren Zeiten neigen gerade Geldhäuser schließlich dazu, nicht ganz so solide zu performen.

Oder, anders ausgedrückt: Das starke operative Geschäft könnte sich langfristig rächen. Sollten sich faule Kredite unter die neuen Kreditlinien mischen, so kann die Stimmung wieder umschlagen. Wir sollten schließlich nicht vergessen, dass wir vermutlich eine Rezession erleben werden. Und dass das Coronavirus noch immer seinen Schatten auf viele Teile der Wirtschaft wirft. Die Auswirkungen sind dabei noch immer nicht absehbar.

Pleiten, Insolvenzen, andere Zahlungsunfähigkeiten in den Reihen der Kreditlinien könnten daher zu einem negativen Effekt führen. Wobei, wie gesagt, abzuwarten ist, welche Ausmaße die Unsicherheiten noch einnehmen werden.

Bei den deutschen Geldhäusern ist und bleibt es daher für mich ein Spiel mit Licht und Schatten. Dass es kurzfristig bergauf geht, kann daher als Zeichen der Entspannung gewertet werden. Allerdings könnte die Stimmung auch wieder umschlagen. Für mich wäre es jedenfalls eine Überraschung, wenn ausgerechnet in der wirtschaftlichen Krise der Turnaround gelingen würde.

Ein Zahlenwerk nicht überbewerten

Vielleicht sollten Investoren hier zur Foolishen Tugend übergehen und ein Zahlenwerk nicht überbewerten. Es kann zwar kurzfristig für etwas Optimismus sorgen. Die mittel- bis langfristigen Aussichten könnten jedoch unklar bis durchwachsen bleiben.

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