Deutsche Bahn will sturmsicherer werden

Umgestürzter Baum in Nordrhein-Westfalen

Angesichts massiver Schäden und zahlreicher Zugausfälle durch Orkan "Friederike" will sich die Deutsche Bahn künftig besser gegen Stürme wappnen. Mit einem neuen Aktionsplan soll die Gefahr, dass Bäume auf die Gleise stürzen, künftig "deutlich" reduziert werden, wie die Bahn am Sonntag mitteilte. Personenverkehrsvorstand Berthold Huber verteidigte unterdessen den deutschlandweiten Fernverkehrsstopp wegen des schweren Wintersturms.

Der Orkan "Friederike" - einer der stärksten Stürme in Deutschland seit "Kyrill" vor elf Jahren - war am Donnerstag über große Teile Deutschlands hinweggefegt und hatte erhebliche Schäden verursacht. Allein die Bahn sprach von Millionenschäden am Schienennetz und zahlreichen beschädigten Streckenabschnitten.

In den vergangenen Jahren hätten derartige "Extremwetterlagen mit Auswirkungen auf die Schiene deutlich zugenommen", erklärte die Bahn am Sonntag. Im Rahmen des neuen "Aktionsplans Vegetation" solle deshalb der "präventive Vegetationsrückschnitt" entlang der Gleise ausgeweitet werden.

Konkret will die Bahn dafür den Baumbestand entlang der Strecken stärker kontrollieren und an kritischen Stellen auch über die sonst übliche Sechs-Meter-Rückschnittszone hinaus "stabilisieren". In den nächsten fünf Jahren will die Bahn dafür zusätzlich 125 Millionen Euro ausgeben. Bislang werden dem Unternehmen zufolge seit 2007 jedes Jahr rund 100 Millionen Euro für die Kontrolle und Pflege der Vegetation entlang der Gleise investiert.

Für verstärkte Kontrollen der Vegetation sollen außerdem bis zu 150 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Bislang sind im Vergetationsmanagement der Bahn mehr als tausend Mitarbeiter im Einsatz, wie ein Sprecher am Samstag mitteilte.

Die Umsetzung des Aktionsplans sei eine "Mammutaufgabe", erklärte die Bahn. Dabei sei das Unternehmen auch auf die Mithilfe und enge Zusammenarbeit von Behörden, Ämtern und Waldbesitzern angewiesen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach sich dafür aus, neben den Gleisen verstärkt Sträucher und Büsche zu pflanzen. Bäume hingegen sollten "erst in einem größeren Abstand zum Gleis gepflanzt werden", sagte der Ehrenvorsitzende des Verbands, Karl-Peter Naumann, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag.

Laut Pro Bahn würden sich dadurch zwei Vorteile ergeben: Umstürzende Bäume würden weitgehend von den Sträuchern und Büschen aufgefangen. Außerdem würde keine "naturfreie" Trasse, sondern durch das niedrige Gehölz ein wertvoller Lebensraum für Insekten entstehen, sagte Naumann der Zeitung. Das Konzept solle einvernehmlich zwischen Bahnbetreibern, Naturschutzbehörden und Fahrgastverbänden erstellt und wenn nötig mithilfe der öffentlichen Hand finanziert werden, forderte er.

Bahn-Personenverkehrsvorstand Huber verteidigte unterdessen die deutschlandweite Einstellung des Fernverkehrs wegen des Orkans. "Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig", sagte Huber der "Bild am Sonntag". In weiten Teilen Deutschlands seien wegen des Sturms weder Flug-, Auto- noch Bahnverkehr möglich gewesen.

Wegen des Sturms hatte die Bahn den Fernverkehr am Donnerstagnachmittag bundesweit eingestellt. Pro Bahn kritisierte dies als "übertrieben". Auch der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, erklärte, die Bahn sei damit über das Ziel hinausgeschossen. Am Samstagnachmittag lief der Fernverkehr nach Angaben der Bahn "wieder weitgehend reibungslos".