Deutsche Anleihen: Gewinne nach schwachem Start - Unsicherheit nimmt wieder zu

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Bundesanleihen haben am Montag nach einer kleinen Schwächephase wieder an ihre erheblichen Kursgewinne der vergangenen Woche angeknüpft. Börsianern zufolge hat die Unsicherheit rund um die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zuletzt wieder zugenommen. So hatte sich die deutliche Erholung an den europäischen Aktienmärkten zu Handelsbeginn zuletzt als Störfeuer erwiesen und die wichtigsten Indizes gaben zumeist deutlich nach.

Der für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future <DE0009652644> drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus und zog zuletzt um 0,45 Prozent auf 178,28 Punkte an. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im Gegenzug auf minus 0,67 Prozent und bewegte sich damit auf dem niedrigsten Niveau seit September letzten Jahres.

Die zuletzt gestiegene Nervosität der Anleger spiegelten sich auch in der unterschiedlichen Kursentwicklung in der Eurozone wider. So waren neben deutschen auch französische und niederländische Papiere gefragt, während Staatstitel von Ländern wie Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien gemieden wurden. Die Anleihen dieser südeuropäischer Staaten waren bereits in der vergangenen Woche wegen der allgemeinen Risikoscheu erheblich unter Druck geraten.

Zu Handelsbeginn hatten deutsche Anleihen noch unter der Aussicht auf geldpolitische Hilfe durch die großen Notenbanken gelitten. Diese versuchen zunehmend, der nervösen Stimmung an den internationalen Finanzmärkten etwas entgegenzusetzen. Nachdem die US-Notenbank Fed am Freitag ihre geldpolitische Handlungsbereitschaft signalisiert hatte, zogen am Montag die Zentralbanken Großbritanniens und Japans nach.

Die Europäische Zentralbank gab sich zurückhaltender: Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau sagte, man sei wachsam und vorbereitet, dürfte aber nicht die Ruhe verlieren. Skeptische Beobachter verweisen derweil darauf, dass die Zentralbanken nicht die angebotsseitigen Störungen der Virus-Krise beheben könnten.

Die vom Coronavirus ausgelöste Epidemie drückt nach Einschätzung der OECD auf die Weltkonjunktur: Die Industriestaaten-Organisation erwartet im laufenden Jahr nur noch ein Wachstum der globalen Wirtschaft von 2,4 Prozent. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zuletzt vorhergesagt. Im Vorjahr hatte die Wirtschaft weltweit noch um 2,9 Prozent zugelegt.