Deutsche Anleihen geben nach - Verluste in Südeuropa nach EZB-Urteil

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Bundesanleihen haben am Dienstag bis zum Mittag im Kurs nachgegeben. Händler nannten die überwiegend freundliche Börsenstimmung als Grund für die schwächere Nachfrage nach sicheren Papieren. Der richtungweisende Euro-Bund-Future <DE0009652644> fiel zuletzt um 0,19 Prozent auf 173,78 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Gegenzug auf minus 0,54 Prozent.

Deutlichere Verluste erlitten Staatsanleihen südeuropäischer Länder, insbesondere italienische Bonds. Ausschlaggebend war eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB). Zwar erkannten die Richter keine monetäre Staatsfinanzierung. Sie forderten die EZB aber auf, die Verhältnismäßigkeit der Käufe zu begründen. Ansonsten droht ein Ausscheiden der Bundesbank aus dem Kaufprogramm PSPP.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer deutete die Entscheidung weniger als Gefahr für das ältere Kaufprogramm PSPP. Die EZB könne die Begründung für die Käufe recht einfach nachholen, erklärte Krämer. Allerdings könnten sich Probleme für das Corona-Notprogramm PEPP ergeben, das derzeit ein Volumen von einer dreiviertel Billion Euro aufweist. Der Grund: Einige Auflagen der Verfassungsrichter wie die konkrete Aufteilung der Käufe auf die einzelnen Euroländer werden im PEPP ausgesetzt.

Im Handelsverlauf könnten auch Wirtschaftsdaten aus den USA den Markt bewegen. So steht am Nachmittag mit dem Einkaufsmanagerindex ISM für den Dienstleistungssektor ein wichtiger Konjunkturindikator auf dem Kalender. Der Dienstleistungssektor wurde durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens besonders stark belastet.