Deutsche Anleihen nach Draghi-Aussagen unter Druck - höchste Rendite seit 2015

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind am Donnerstag nach Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, deutlich gesunken. Der richtungweisende Euro-Bund-Future fiel bis zum Abend um 0,29 Prozent auf 160,07 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Gegenzug um 0,02 Prozentpunkte auf 0,61 Prozent. Zwischenzeitlich hatte sie bei 0,64 Prozent den höchsten Stand seit Dezember 2015 erreicht.

Die EZB hat Hoffnungen auf ein baldiges Ende ihrer Nullzinspolitik gedämpft. Wie erwartet gibt es zunächst keine Änderungen bei den Leitzinsen und dem Wertpapierkaufprogramm. Anders als von manch einem Beobachter erwartet, gab es zudem keine Andeutungen in Richtung einer künftigen Straffung. Eine Diskussion über ein mögliches Ende der Wertpapierkäufe habe noch gar nicht stattgefunden, sagte Draghi. Und: "Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten."

Dennoch legten die Renditen in den meisten Ländern des Euroraums in Reaktion auf Draghis Worte deutlich zu. Ohne etwas neues zu sagen, habe der EZB-Chef an den Finanzmärkten für Bewegung gesorgt, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank Ing-Diba. "Allerdings vermutlich nicht in die gewünschte Richtung." Auch Christoph Kutt, Anleiheexperte bei der DZ Bank meint: Sollte es sein Plan gewesen sein, die Zinsen wieder einzufangen, habe Draghi den Ball verschossen.

Zuvor hatte im Tagesverlauf bereits die Veröffentlichung des Ifo-Index für die Stimmung in den deutschen Unternehmen die Festverzinslichen etwas unter Druck gebracht. Im Januar war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer überraschend gestiegen und hatte wieder das Rekordniveau vom vergangenen November erreicht. "Die deutsche Wirtschaft steht auch zum Jahresauftakt unter Dampf", kommentierte Uwe Burkert, Chefvolkswirt von der LBBW.