Deutsche Anleger schätzen konservative Geldanlage

Mehr Zinsen, mehr Sicherheit, mehr Stabilität – das wünscht sich die Mehrheit der deutschen Anleger. In Aktien oder Aktienfonds investieren viele nicht, weil ihnen Informationen fehlen.

Auf dem €uro Fund Forum in München ließ DIW-Präsident Marcel Fratzscher jüngst verlauten, deutsche Anleger seien schlechte Anleger, weil sie zu viel sparen und zu wenig investieren würden. Eine von der Sutor Bank in Auftrag gegebene, repräsentative Umfrage des Explorare-Instituts für Marktforschung unterfüttert diese These nun.
Sie kommt zu dem Ergebnis, deutsche Anleger setzten bei ihrer Investitions-Entscheidung vor allem auf Sicherheit und Verlässlichkeit. Die steigende Inflation ebenso wie die geringen Zinsen scheinen ihnen im Vergleich weniger relevant zu sein. 

Der (Shenzhen: 002631.SZ - Nachrichten) durchschnittliche Anleger will zwar keine absolute Gewissheit im Investment, ist aber signifikant stärker an Sicherheit orientiert als an Rendite


Quelle: Sutor Bank

Zu den aktuell präferierten Geldanlagen der Deutschen gehören nach wie vor viele Produkte, die von der Zinsdürre betroffen sind. So gaben 42% der Befragten an, ihr Geld auf dem Sparbuch zu parken. Ein Tagesgeldkonto nutzen ein Drittel der Anleger, einen Bausparvertrag noch 30%, eine Lebensversicherung halten immerhin noch 24%. 

Eine neue Lebensversicherung abzuschliessen, ist für die überwiegende Mehrheit allerdings kein Thema. Gut 88% würden sich aktuell gegen eine Police entscheiden. Einen Umstieg auf Asset-Klassen, die mehr Rendite versprechen aber auch mehr Risiko bedeuten, planen aber nur etwa ein Viertel. 

Die vielversprechendsten Geldanlagen: Immobilien vor Gold, dem Tagesgeldkonto und dem althergebrachten Bausparvertrag


Quelle: Sutor Bank

Aktien und Aktienfonds sind für viele Anleger ein No-Go
Knapp die Hälfte der befragten gab an, sich mit Blick auf die Geldanlage für die Zukunft höhere Zinsen zu wünschen. Obwohl Aktien eine gute Renditeaussicht bescheinigt wird, stellen Wertpapiere für die meisten keine Option (Frankfurt: OINA.F - Nachrichten) dar. Gefragt nach dem Grund, warum sie keine Aktien besäßen, antworteten 57%, dass ihnen die derzeitige Marktsituation zu risikoreich erscheine. Genau die Hälfte der Anleger meint, ihr finanzieller Spielraum sei für ein Aktieninvestment unzureichend. Großen Einfluss auf das konservative Anlageverhalten scheint auch die Informationslage in Bezug auf Aktien und Aktienfonds zu sein. Knapp 43% denken, sie seien nicht ausreichend genug informiert, um ein Depot aufzubauen, fast 33% fühlen sich vom Anlageuniversum überfordert. 

Politik wird weitgehend ignoriert
Gegenüber der politischen Nachrichtenlage, die nach Angaben von der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers für institutionelle Investoren hohen Stellenwert besitzen, zeigen sich Privatanleger nahezu immun. Nur 33% gaben an, dem politischen Tagesgeschehen für ihre Geldanlage Relevanz beizumessen. Nur gut jeder Fünfte bestätigte, seine Anlagestrategie aufgrund von politischen Ereignissen angepasst zu haben.

Die Befragung wurde deutschlandweit per Telefon durchgeführt. Interviewt wurden im März 2017 250 Personen. Die Auswahl der Befragten erfolgte in Alter, Geschlecht und Wohnort repräsentativ zur Bevölkerung.

(DW)