Suche nach deutschen und anderen Vermissten nach Bergrutsch in der Schweiz

Erdrutsch bei Bondo

Nach einem massiven Bergrutsch im Südosten der Schweiz wird nach acht Vermissten gesucht, darunter auch Deutsche. Das Unglück habe sich am Mittwochmorgen in der Region Val Bondasca im Kanton Graubünden ereignet, teilte die Kantonspolizei am Donnerstag mit. Acht Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich während des Unglücks vor Ort aufhielten, seien noch nicht gefunden worden. Das Dorf Bondo wurde evakuiert.

Wie die Polizei bekannt gab, konnten die acht Vermissten vorerst "nicht erreicht" werden. Sechs von ihnen waren von ihren Angehörigen als vermisst gemeldet worden. Die Schweizer Zeitung "Blick" berichtete, es handele sich um vier Deutsche und je zwei Österreicher und Schweizer.

Das Außenministerium in Wien erklärte, zu den Vermissten zähle ein österreichisches Ehepaar. Das Auswärtige Amt in Berlin machte zunächst keine Angaben zu den vermissten Deutschen. Ein Polizeisprecher sagte der Zeitung "20 Minuten", Kinder zählten nicht zu den Vermissten.

Die meisten von ihnen hatten nach Angaben der Kantonspolizei zum Zeitpunkt des Unglücks vermutlich eine Wanderung unternommen. Rettungskräfte suchten aus der Luft nach den Vermissten. Zur Erleichterung des Einsatzes wurde im Umkreis von fünf Kilometern ein Flugverbot verhängt. Zunächst hatte die Polizei erklärt, bei dem Erdrutsch sei niemand zu Schaden gekommen.

Die Schweizer Zeitung "Blick" hob hervor, dass in der Region Mobiltelefone nicht überall Empfang hätten. "Wir hoffen, dass dies der Grund ist, weshalb wir nicht alle im Gebiet vermuteten Personen erreichen konnten", sagte Polizeisprecher Markus Walser dem Blatt.

Vom Berg Piz Cengalo waren am Mittwoch gegen 09.30 Uhr Gesteinsmassen in ein Tal hinter dem Dorf Bondo gestürzt. Dadurch wurden Erdmassen bis zu der Ortschaft geschoben. Das Dorf in der Nähe der italienischen Grenze wurde evakuiert, etwa hundert Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Dabei kamen laut Polizei auch Hubschrauber zum Einsatz.

"Die Leute sind sofort los und haben alles zuhause zurückgelassen", sagte die Pastorin im Nachbardorf Vicosoprano, Simona Rauch, der Nachrichtenagentur AFP. Keiner wisse, wann die Menschen nach Bondo zurückkehren dürften, wo es vorerst keine Strom- und Trinkwasserversorgung gebe.

Die durch das Tal führende Hauptstraße zwischen Stampa und Castasegna wurde gesperrt. Auf Fotos war zu sehen, dass in Bondo eine große Fläche mit Schlamm und Gestein überzogen war. Die Erdmassen reichten bis zu den Häusern. Nach Angaben der Polizei wurden zwölf landwirtschaftliche Gebäude, darunter Scheunen und Ställe, durch den Erdrutsch zerstört.

Der Schweizerische Erdbebendienst erklärte, der Bergrutsch sei so schwer gewesen, dass in der gesamten Schweiz Erschütterungen registriert worden seien. Ihre Stärke habe einem Erdbeben der Stärke 3,0 entsprochen. Ein derartiges Ereignis sei nach Felsstürzen in dem Gebiet in den Jahren 2011, 2012 und 2016 bereits erwartet worden. Das in der Region installierte Alarmsystem wurde am Mittwochmorgen ausgelöst.

Bei einem Bergrutsch am Piz Cengalo Ende 2011 waren 1,5 Millionen Kubikmeter Gestein in ein unbewohntes Tal gestürzt. Zuletzt gab es im November 2014 einen tödlichen Erdrutsch in der Schweiz. Dabei wurden in Davesco-Soragno im Kanton Tessin zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt.