Deutlich mehr Vergewaltigungs-Anzeigen in Frankreich

Ein Aids-Drama und eine Tragikomödie über Weltkriegsversehrte sind die Favoriten für die César-Filmpreise, die am Freitag in Frankreich verliehen werden (21 Uhr). Die Zeremonie steht im Zeichen der #MeToo-Debatte

Die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigung ist in Frankreich deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr legte sie um zwölf Prozent zu, wie das Innenministerium am Donnerstag in Paris mitteilte. Bei anderen Formen sexueller Übergriffe gab es einen Anstieg von zehn Prozent. Zwischen Oktober und Dezember wurde sogar ein Plus von 32 Prozent verzeichnet. Das Ministerium sieht einen Zusammenhang mit der Weinstein-Affäre in den USA.

Insgesamt gab es nach dem Bericht des Innenministeriums 2017 rund 16.400 Anzeigen wegen Vergewaltigung, 1700 mehr als im Vorjahr. Rund 24.000 weitere gingen wegen anderer Formen sexueller Belästigung oder Gewalt ein, 2100 mehr als 2016. Der deutliche Anstieg stehe vermutlich "im Zusammenhang mit den öffentlichen Äußerungen von Frauen nach Bekanntwerden der Weinstein-Affäre", heißt es in dem Bericht.

In Frankreich haben die Vorwürfe gegen den ehemaligen US-Film- und Fernsehmogul Harvey Weinstein große Aufmerksamkeit erregt. Unter dem Hashtag #balancetonporc (Verpfeif' das Schwein) berichteten auf Twitter tausende Frauen über unerwünschte Anmache oder Missbrauch. Prominente Frauen wie die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Brigitte Bardot warnten zugleich vor übertriebenen Reaktionen.