Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen

Eine Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin beim Start vom Flughafen in Berlin-Tegel. Foto: Wolfgang Kumm

Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die Arbeitnehmer werden genau hinsehen.

Berlin (dpa) - Das Rennen um die insolvente Air Berlin mit Lufthansa als aussichtsreichstem Kaufinteressenten könnte zu einem Fall für die Gerichte werden.

Die vorerst unterlegenen Bieter erwägen, gegen den möglichen Verkauf an den Marktführer Lufthansa zu klagen. Air Berlin hatte in der Nacht zu Freitag in einer Pflichtmitteilung an die Börse angekündigt, einen Verkauf an Lufthansa und Easyjet anzustreben.

Aus Verhandlungskreisen war zuvor verlautet, wahrscheinlich komme für die verbleibenden Flugzeuge auch die Fluggesellschaft Condor zum Zug. Die Gewerkschaften dringen nun darauf, dass die neuen Eigentümer auch die Beschäftigten übernehmen.

Air Berlin mit ihren mehr als 8000 Beschäftigten ist seit Mitte August insolvent, der größte Teil der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft soll dem Vernehmen nach an Lufthansa gehen. Das Management will an diesem Montag den Stand des Bieterverfahrens bekannt geben.

«Wenn das gefingert war, wird es eine gewaschene Kartellklage geben», sagte ein Sprecher des vorerst unterlegenen Bieters Utz Claassen. Er verwies auf Stellungnahmen aus der Bundesregierung zugunsten der Lufthansa unmittelbar nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin.

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der wie Claassen für die ganze Air Berlin geboten hatte, äußerte sich entsetzt und warf den Verantwortlichen vor, man habe «zu keinem Zeitpunkt ernsthaft eine andere Lösung als die Zerschlagung und die Zuteilung der Fragmente an Lufthansa und einige weitere Bieter» verfolgt.

Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel wies dies zurück. «Wir führen ein für alle ernsthaften Bewerber erkennbar offenes und transparentes Verfahren durch», erklärte er.

Wöhrl behielt sich im «Handelsblatt» rechtliche Schritte vor. In einer Mitteilung erklärte er zugleich: «Als schon fast ehrverletzend betrachten wir die Äußerung, dass wir dieses Angebot nur gemacht hätten, um uns an einer 'Strafzahlung' für den Fall, dass wir auf gerichtliche Schritte verzichten, schadlos halten wollten.»

Für den Kauf der Technik-Sparte der Air Berlin rechnet sich das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht gute Chancen aus. Zwar könnte Zeitfracht in den Anstrengungen, neue Dienstleistungsbereiche mit rund 1000 Kollegen zu sichern, noch «weiter fortgeschritten» sein, heißt es am Freitag in einem internen Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. «Derzeit überwiegen dennoch die positiven Rückmeldungen zu unserem Kaufangebot und die Chancen, dass wir "in die Luft gehen".»

Die Gewerkschaft Verdi hat sich grundsätzlich positiv zu den möglichen Käufern gezeigt. «Wir werten es als gutes Zeichen, dass alle drei Unternehmen, die offenbar als Käufer im Gespräch sind, die Lufthansa, Easyjet und Condor, Unternehmen mit guten Tarifverträgen und einer guten Mitbestimmungskultur sind», sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Verdi und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wollen, dass die Käufer möglichst alle Beschäftigten übernehmen. VC-Vorstandsmitglied James Phillips sagte: «Ein bisschen frech finden wir das Ansinnen, dass sich jeder Pilot einzeln neu bewerben soll. Das würde zu einem Rosinenpicken führen.»

Laut «Berliner Morgenpost» (Freitag) arbeitet das Land Berlin mit der Arbeitsagentur an einer Transfergesellschaft für Mitarbeiter, die nicht weiter beschäftigt werden. Dabei sei auch geplant, Mitarbeitern aus der Zentrale freie Stellen im Landesdienst anzubieten, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning der Zeitung. Böhning war dazu am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Air Berlin beschäftigt in der Hauptstadt etwa 2800 Mitarbeiter.

Bei der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki ist derweil die Insolvenzgefahr gebannt. Das Gericht in Korneuburg wies den Antrag eines österreichischen Reiseveranstalters gegen die Airline als unbegründet zurück.