Designierter katalanischer Regionalpräsident Torra schwört Puigdemont die Treue

Das katalanische Parlament hat am Samstag mit der Debatte über die Wahl von Joaquim Torra zum Regionalpräsidenten begonnen. Torra könnte Nachfolger des derzeit in Berlin lebenden Carles Puigdemont werden

Das katalanische Parlament hat am Samstag mit der Debatte über die Wahl von Joaquim Torra zum Regionalpräsidenten begonnen. Er wolle klarstellen, dass "unser Präsident Carles Puigdemont ist", sagte der mögliche Nachfolger des derzeit in Berlin im Exil lebenden Puigdemonts zu Beginn der Parlamentssitzung. "Wir werden dem Mandat des 1. Oktobers treu bleiben, einen unabhängigen Staat zu bilden", fuhr Torra fort.

Der von der Regierung in Madrid abgesetzte Ex-Regionalpräsident Puigdemont hatte am Donnerstag auf eine Wiederwahl verzichtet und den parteilosen Torra als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Der 55-Jährige ist ein Neuling in der Politik, der Unabhängigkeitsbewegung jedoch stark verbunden. Er bedauere "das nicht hinnehmbare Schweigen" der EU in der katalanischen Krise, sagte Torra. Gleichwohl machte er deutlich, dass er einen "bedingungslosen" Dialog mit Madrid anstrebe.

Torra kann im Prinzip mit einer Mehrheit im katalanischen Parlament rechnen, da er von Puigdemonts Mitte-rechts-Bündnis Junts per Catalunya (JxCat, Zusammen für Katalonien) und der anderen großen Unabhängigkeitspartei Republikanische Linke (ERC) unterstützt wird. Er muss sich allerdings auf eine Enthaltung der linken Unabhängigkeitspartei Kandidatur der Volkseinheit (CUP) verlassen, die für niemanden außer Puigdemont abstimmen will.

Mit einer Wahl noch am Samstag ist nicht zu rechnen, weil Torra im ersten Wahlgang nicht die absolute Mehrheit erhalten dürfte. Für Montag wurde eine zweite Debatte angesetzt, im zweiten Wahlgang bräuchte Torra nur noch eine einfache Mehrheit.

Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy hob nach der Rede von Torra hervor: "Das, was wir gesehen und gehört haben, hat uns nicht gefallen." Er fügte aber hinzu: "Wir werden ihn an seinen Taten messen."

Madrid hatte Ende Oktober die direkte Kontrolle über Katalonien übernommen und die von Puigdemont geführte Regionalregierung ihres Amtes enthoben, nachdem das Parlament in Barcelona die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt hatte. Zahlreiche Anführer der Unabhängigkeitsbefürworter sitzen seither im Gefängnis oder sind wie Puigdemont im Exil. Madrid wirft ihnen "Rebellion" vor und will sie verurteilt sehen.