Designerin Jil Sander: Das hat sie zur Mode gebracht

Modedesignerin Jil Sander gilt als öffentlichkeitsscheu und gibt selten Interviews. (Bild: Boris Roessler/dpa)

In einem ihrer seltenen Interviews spricht die deutsche Modedesignerin Jil Sander über ihre Anfänge und ihre Motivation, Mode zu machen.

Sie gilt als öffentlichkeitsscheu, redet nur selten mit der Presse. Nun machte Jil Sander eine Ausnahme und sprach anlässlich ihrer Einzelausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main über ihr Werk und dessen Hintergründe.

Dass sie eine eher scheue Person ist, sei überhaupt der Grund, warum sie ihren Beruf ausübe: „[A]m Ende war es meine Scheu als junge Frau, die mich überhaupt zur Mode geführt hat. Ich habe nach einer Kleidung gesucht, die mich nicht exponiert und mir doch Selbstvertrauen verleiht. Mode, die mich als Unternehmerin unterstützt und mit Energie versorgt“, so Sander zur „Bild“-Zeitung.

Jil Sander 2005 auf einer Modeschau in Mailand. (Bild: AP Photo/Antonio Calanni)

Für die Designerin war es wichtig, Rollenbilder aufzulösen und neu zu denken: „Ich glaube, ich wollte eher ein festgefahrenes Frauenbild auflösen und die Trägerin nicht schon durch ihre Kleidung auf traditionelle Rollen festlegen“, erzählte die 73-jährige Modedesignerin.

Inspirationen habe sie viele gehabt. Zu ihren Einflüssen gehören unter anderem „Minimalisten wie Agnes Martin, Jannis Kounellis, Richard Serra und Ieoh Ming Pei“. Auch die sogenannte Arte Povera (eine italienische Kunstrichtung aus den 1960er- unn 1970er-Jahren) sei wesentlich gewesen, da sie sich auf die Wirkung von einfachen Materialen konzentriert habe, so die Designerin. „Immer war es die Rückwendung aufs Wesentliche, das mir sinnvoll schien“, so Sanders – in Modekreisen wegen ihrer Liebe zur Reduktion die „Queen of Less“ genannt.

Die Ausstellung im Frankfurter im Museum Angewandte Kunst zeigt bis 6. Mai 2018 Sanders Werke – und beschränkt sich dabei nicht auf Mode, sondern stellt auch ihre Arbeiten und Entwürfe aus Architektur, Gartenkunst und Produktdesign ins Scheinwerferlicht.