Der Designchef von Optimist Inc. sorgt für spektakuläre Markenführungen

Für eine Millisekunde huscht Tino Schaedler ein glückliches Lächeln über das Gesicht, als er auf mehr als 3000 Meter Höhe im österreichischen Ötztal durch die James-Bond-Installation „007 Elements“ führt. Ansonsten setzt der Partner und Designchef der deutsch-amerikanischen Agentur Optimist Inc. eine angestrengte Miene auf. Denn die digitale Inszenierung des britischen Meisterspions war ein jahrelanger Kraftakt für den Architekten und Designer.

In Sölden wurden vor drei Jahren Szenen des Bond-Films „Spectre“ mit Daniel Craig als 007 gedreht. Deshalb hatte sich der populäre Wintersportort dafür entschieden, für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag eine Art Bond-Memorial mitten im hochalpinen Skigebiet des Gaislachkogels zu errichten. Das Ziel: 007 soll die Marke Sölden weltweit bekannt machen.

James Bond in dem dekonstruktivistischen Bau aus Beton und Stahl in nicht beheizbaren Räumen zu inszenieren – das war ein Abenteuer für Tino Schaedler. „Für unsere Firma ist ,007 Elements‘ eines der bislang komplexesten Projekte“, erzählt der 45-Jährige. „Wir wollten hochwertige, anspruchsvolle Räume kreieren, die nicht wie Disney World sind. Der ganze Körper wird Teil der Wahrnehmung, um den Besucher zu emotionalisieren.“


Schaedler arbeitete dabei eng mit Neal Callow zusammen, dem Art Director der in London ansässigen Bond-Firma Eon Productions. Die beiden sind seit Jahren befreundet. „Wir wollen eine neue Sicht in die Welt von James Bond ermöglichen“, sagt Callow, und Schaedler nickt. In den „007 Elements“ werden auf spektakuläre Weise die Herstellung, die Geschichte und die Technik der weltweit wohl bekanntesten Filmmarke modern erzählt.

Für Schaedler und seine Firma Optimist Inc. ist die Mitte Juli eröffnete Bond-Installation ein Meilenstein. Denn damit zeigt die deutsch-amerikanische Kreativagentur, wie extrem Markenführung betrieben werden kann. Optimist Inc. mit Hauptsitz unweit des internationalen Flughafens von Los Angeles gehört den drei Deutschen Nils Arend, 37, Jürgen Dold, 44, und der Amerikanerin Rose Odeh, 46. Tino Schaedler kam 2011, zwei Jahre nach der Gründung, hinzu.

Schon damals war Schaedler kein Unbekannter. Als Art Director, Designer und Architekt arbeitete er für Hollywood und Berühmtheiten – zum Beispiel für Filmklassiker wie „Harry Potter“ und „Zurück in die Zukunft 2“ oder für die Musikstars Daft Punk und Jay Z. Bisweilen dreht er auch noch heute Werbefilme. Nach dem Studium in Berlin und Berkeley war der gebürtige Hildesheimer für den US-Stararchitekten Daniel Libeskind tätig. Er wechselte 2008 nach Los Angeles, wo er heute mit seiner Frau, der Künstlerin und Architekten Pia Habekost, sowie seinem Sohn lebt. Erholung vom stressigen Beruf sucht Schaedler am frühen Morgen bei Yoga und Meditation, berichtet eine Insiderin.

Expansion nach Europa

Schaedler und seine Partner bei Optimist Inc. haben große Pläne. „Wir sind sehr ehrgeizig“, sagt Optimist-Gründer Jürgen Dold. Die Firma wolle kräftig expandieren, aber ohne kreative Abstriche zu machen. Die kalifornische Werbefirma nimmt nun Europa ins Visier. Einen Ableger hat Optimist Inc. bereits in London und seit Herbst 2017 auch in Hamburg gegründet. Schaedler ist derzeit viel in Europa unterwegs. Ein Projekt mit einer großen Automarke in Mitteleuropa steht kurz vor dem Abschluss, berichten Firmenkenner.

Die Liste der prominenten Kunden ist schon heute lang. Sie reicht von Nike über Google, Facebook und Red Bull bis hin zu L’Oréal. Für Google wird Optimist Inc. im Herbst einen Pop-up-Shop in Berlin kreieren. Derzeit kommt die Kreativagentur mit 120 Mitarbeitern nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von über 40 Millionen Dollar. Zur Rendite macht Optimist Inc. keine Angaben. Im Markt gehen Insider von einer höheren einstelligen Umsatzrendite aus.


Optimist-Miteigentümer Schaedler, der mit einem Stipendium in Vancouver digitale Animation studierte, spielt für die Expansion eine Schlüsselrolle. „Optimist hatte vor mir kein Design“, sagt er. Und die Inszenierung von Marken vor Ort wird im digitalen Zeitalter immer wichtiger. Eine Markenerfahrung zum realen Erleben prägt eben – selbst bei James Bond.

Die Inszenierung von „007“ war für Schaedler ein Projekt ganz nach seinem Geschmack: „Nike und Google geben klare Parameter vor. Das war bei Bond nicht der Fall. Da haben wir sehr viele Freiheiten genossen.“ Ein kreativer Luxus, den der gelernte Architekt nur vom Bau seiner spektakulären Villa in den Hügeln von Los Angeles kennt.