Deshalb würde „Kevin allein zu Hause“ heute nur 14 Minuten dauern

Kevin bekommt es im ersten Teil mit den „feuchten“, im zweiten Teil mit den „klebrigen“ Banditen zu tun. (Bild: ddp Images)

Er ist der Weihnachtsklassiker im Fernsehen: Seit den 90ern ist „Kevin allein zu Haus“ alljährlich in der Adventszeit und zwischen den Jahren ein Fixpunkt bei vielen TV-Guckern. Doch würde man die Geschichte heute erzählen, wäre der Film bereits nach wenigen Minuten auserzählt.

Es ist eine Horror-Vorstellung für jede Mutter und für jeden Vater: Eine große Familie reist ins Ausland und vergisst eines ihrer Kinder. So geschehen der fiktiven Familie McCallister im Film „Kevin allein zu Haus“. Der von Macaulay Culkin verkörperte Knirps schlägt sich daheim allerdings recht wacker durch und bringt sogar ein Diebes-Duo in den Knast.

Doch heute, im Jahr 2017, wäre diese Geschichte nicht mehr möglich. Zu viel hat sich seit dem Jahr 1990, als der Film in die Kinos kam, in unserer Gesellschaft verändert. Neben dem Aufkommen von Helikopter-Eltern, die permanent um das Wohl ihres Nachwuchses besorgt sind, sind es vor allem technologische Neuerungen und neue Sicherheitsregeln auf Flughäfen, die dafür sorgen, dass Kevin heute ganz sicher nicht mehr zu Hause vergessen werden würde.

Kevin und seine Mutter beim Wiedersehen nach einer aufreibenden Odyssee. (Bild: ddp Images)

Das Reisemagazin „Travel + Leisure“ hat auf seiner Webseite gleich eine ganze Reihe von Faktoren benannt: Da wären zunächst einmal Smartphones! Die gab es 1990 noch nicht. Heut hätte wohl jedes Mitglied der Familie McCallister ein Handy. Am Abend vor der Abreise in den langersehnten Urlaub hätte vermutlich jeder ein Wecksignal eingestellt, um den Flug ja nicht zu verpassen.

Im Film aber verschläft die Familie, weil sämtliche Wecker im Haus aufgrund eines Stromausfalls nicht funktionieren. Die Familie verfällt daraufhin in Stress und hält beim Durchzählen der Kinder einen Nachbarsjungen für Kevin. Doch der döst zu diesem Zeitpunkt noch selig in der Dachkammer, weil er von seiner Mutter am Vorabend dorthin verbannt wurde.

Macaulay Culkin wurde durch “Kevin” weltberühmt. (Bild: AP Photo)

Doch selbst wenn die McCallisters Kevin vergessen hätten – trotz Smartphones – dann würden sie spätestens am Flughafen feststellen, dass einer aus der Sippe fehlt. Durch die verschärften Sicherheitsvorkehrungen würde dem Boden- oder dem Kabinenpersonal schnell auffallen, dass ein reservierter Platz nicht besetzt ist.

Im Film konnten sich die Kinder im Flieger zudem einen Platz aussuchen. Heute unmöglich: Jeder Fluggast, egal ob klein oder groß, hätte im Jahr 2017 einen fixen, ihm zugewiesenen Sitzplatz.

Sollte der fehlende Kevin aber bis zum Schluss niemandem auffallen, hätte die Familie heutzutage auch noch im Flugzeug die Möglichkeit, Kevin zu kontaktieren: Auf Flügen der Linie „American Airlines“, mit der die McCallisters im Film fliegen, gibt es heute W-Lan an Bord. So könnten sie via Internet ihren Jungen anrufen. Der hätte mit Sicherheit ein Handy und könnte dran gehen. 1990 nicht möglich, da wegen des Stomausfalls auch die Telefone nicht funktionierten.

Sollte es irgendwann zu einer Neuverfilmung des Weihnachtsklassikers kommen, müssen die Drehbuchautoren ganze Arbeit leisten, um dem Film den nötigen realistischen Anstrich zu verpassen.