Ein Desaster ohne Ende: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Opernsanierung in Köln

Die Kosten für die Opernsanierung haben sich mehr als verdoppelt.

Bei einer Pressekonferenz der Stadt hat es wohl noch nie so viel Publikum gegeben wie am Montag im kleinen Schauspielhaus am Offenbachplatz. Dutzende Beschäftigte der städtischen Bühnen und zahlreiche Ratspolitiker nahmen bei der Präsentation der Baukosten für die weitere Sanierung von Oper und Schauspielhaus in den Sitzreihen hinter den eingeladenen Journalisten Platz.

Auf der Bühne stellten sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, der technische Betriebsleiter Bernd Streitberger und der geschäftsführende Bühnendirektor Patrick Wasserbauer den Fragen. Sie präsentierten sich ausnehmend gut gelaunt – obwohl bereits seit Freitag klar war, dass die Zahlen zu Heiterkeit keinen Anlass geben. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie teuer wird es, die Sanierung abzuschließen?

Die Baukosten werden auf bis zu 570 Millionen Euro geschätzt – ursprünglich sollten es 253 Millionen Euro sein. Ob das ausreicht, ist aber völlig unklar. „Ich gebe keine Garantie dafür ab, dass es dabei bleibt“, sagte Streitberger. Die Berechnung sei seriös, aber theoretisch könne einem auch „der Himmel auf den Kopf fallen“. Hinzu kommen zusätzliche Mietkosten für die Ausweichspielstätten im Deutzer Staatenhaus und im Mülheimer Depot in Höhe von 110 Millionen Euro. Insgesamt wird die Stadt also bis zu 680 Millionen Euro investieren. Unklar ist noch, mit welcher Summe die Finanzierung zu Buche schlagen wird. Dieser Betrag muss hinzugerechnet werden.

Wie viel Geld wurde bislang schon für die Sanierung ausgegeben?

Die städtischen Bühnen haben bislang 271 Millionen Euro ausgezahlt und sind für weitere 64 Millionen Euro Verpflichtungen eingegangen. In der Summe wurden bisher also 335 Millionen Euro ausgegeben.

Wie lange dauert es, bis die Oper und das Schauspielhaus wiedereröffnet werden?

Die ursprünglich für 2015 geplante Schlüsselübergabe wird jetzt wohl erst Ende 2022 stattfinden. Oper und Schauspielhaus können also frühestens erst 2023 wieder in ihre Gebäude am Offenbachplatz einziehen – vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Verzögerungen.

Welche Ursachen hat das Chaos auf der Baustelle?

Nach Angaben der Bühnen sind die maßgeblichen Fehler ab dem Jahr 2013 bei der Planung und dem Einbau der Haustechnik gemacht worden. So seien 33 Hauptprobleme identifiziert worden, die fast ausschließlich aus diesem Bereich stammen und für die Zeitverzögerungen sorgen.

Hat am Montag jemand die Verantwortung für das Debakel übernommen?

Es dauerte eine knappe Stunde, bis überhaupt erstmals das Wort „Verantwortung“ fiel. Es gebe sicher „einige Teilschuldige“, sagte Henriette Reker und verwies auf die laufende Untersuchung des Rechnungsprüfungsamtes. Bernd Streitberger räumte gar eine „persönliche Verantwortung“ ein: Zu Beginn der Sanierung hätte er als damaliger Baudezernent die Bauleitung personell stärker ausstatten müssen. Die Kulturdezernentin dagegen lehnte weiterhin jede Verantwortlichkeit für das Fiasko in ihrem Zuständigkeitsbereich ab. Wie die riesigen Baupannen so lange unentdeckt bleiben konnten? „Das habe ich mich auch oft gefragt“, so Laugwitz-Aulbach. Sie jedenfalls habe sich nichts vorzuwerfen: „Ich habe mich als Kulturfachfrau auf die Baufachleute verlassen.“

Reker will der Kulturdezernentin die Zuständigkeit entziehen

Wie soll aufgeklärt werden, wer für das Operndesaster verantwortlich ist?

Das Rechnungsprüfungsamt ist damit beauftragt worden, festzustellen, wer für welche Fehler verantwortlich ist. Das Ergebnis soll den Ratspolitikern voraussichtlich im Herbst vorgelegt werden.

Will die Stadt jemanden für den finanziellen Schaden in Regress nehmen?

Die städtischen Bühnen wollen den maximal möglichen Versicherungsbetrag in Höhe von 40 Millionen Euro geltend machen. Zudem geht Betriebsleiter Streitberger von weiteren juristischen Auseinandersetzungen mit dem ursprünglich für die Planung der Haustechnik verantwortlichen Ingenieurbüro Deerns aus. Man behalte sich vor, auch gegen einzelne Baufirmen vorzugehen.

Wie reagiert die Oberbürgermeisterin auf das Chaos innerhalb der Abteilung Kulturbauten, die zuletzt auch in die Kritik geriet, weil sich die Sanierungsdauer des Römisch-Germanischen-Museums verdoppelt hat?

Henriette Reker hat am Freitag angekündigt, der Kulturdezernentin die Zuständigkeit für diese Abteilung zu entziehen. Die Kulturbauten sollen in Zukunft bei der städtischen Gebäudewirtschaft angesiedelt werden, die zuvor reformiert werden soll. Die Gebäudewirtschaft untersteht zurzeit Baudezernent Franz-Josef Höing. „Ich halte es für die beste Lösung, wenn die Kulturverwaltung für das Bauen nicht mehr zuständig ist“, sagte auch Laugwitz-Aulbach.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Stadtrat die Kulturdezernentin jetzt abwählt?

Dem Vernehmen nach gibt es Überlegungen in diese Richtung, es handelt sich aber um eine schwierige Situation, da möglichst viele Ratsmitglieder mitziehen müssten. Um die Abwahl eines Dezernenten zu beantragen, bedarf es im Stadtrat mindestens 50 Prozent der Stimmen. Der Beschluss selber muss dann mit einer Zweidrittelmehrheit erfolgen. Laugwitz-Aulbachs Amtszeit läuft regulär noch bis zum Jahr 2021.

Wäre es eine Alternative, das nicht fertig sanierte Opernhaus abzureißen und an anderer Stelle ein Neues zu bauen?

Das lehnt die Oberbürgermeisterin mit Verweis auf die bereits getätigten Ausgaben ab. „Dann wären die Millionen für immer verloren“, sagte Reker. Darüber hinaus gelte es, das unter Denkmalschutz stehende Erbe des Architekten Wilhelm Riphahn zu erhalten.

Können die Ersatzspielstätten bis zur geplanten Fertigstellung genutzt werden?

Ja. Die Mietverträge laufen für beide Häuser bis Ende 2022.  

Eine Chronik der Ereignisse

Im Oktober 2010 beauftragt der Rat die Bühnen mit der Planung der Sanierung. Die Baukosten werden auf 253 Millionen Euro begrenzt.

Im Juni 2012 übergeben die Bühnen die beiden Gebäude an die Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen, so dass die Sanierung beginnen kann.

Im September 2014 geben die Bühnen bekannt, dass das sanierte Opernhaus im November 2015 eröffnen soll.

Im Juli 2015 teilt die Stadt mit, dass die Wiedereröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss.

Im November 2015 kündigen die städtischen Bühnen den Vertrag mit dem Ingenieurbüro Deerns, das die technischen Anlagen planen sollte. Oberbürgermeisterin Henriette Reker gibt bekannt, dass die Oper nicht vor 2018 wiedereröffnet werden kann und dass das Projektgeschätzt bis zu  460 Millionen Euro kosten wird.

Im Mai 2016 übernimmt der ehemalige Baudezernent Bernd Streitberger die neu geschaffene Position des technischen Betriebsleiters der städtischen Bühnen.Im April 2017 berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“,  dass die Sanierung einem internen Dokument zufolge  bis zu 565 Millionen Euro kosten wird und das Haus erst im Jahr 2023 bezogen werden kann. (att)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta