Nach 48 Jahren: Hannovers historische Tabellenführung

Martin Harnik erzielte den zweiten Treffer für Hannover

Ausgelassen feierten die Spieler von Hannover 96 vor der Kurve mit den Fans. Verdientermaßen, denn den Anhängern der 96er hatten sie ein fast schon vergessenes Glücksgefühl beschert.

Oder eines, dass viele der Stadionbesucher zu Lebzeiten noch überhaupt nicht erleben durften: Zum ersten Mal seit 48 Jahren steht Hannover an der Tabellenspitze der Bundesliga. 

Die zuvor letzte Tabellenführung der Hannoveraner datierte vom 30. August 1969. Zur Einordnung: 1969 war das Jahr der ersten Mondlandung durch die Apollo-11-Mission um Neil Armstrong.

Im Herbst 2017 rang das Team von Trainer Andre Breitenreiter nun den Hamburger SV in einem umkämpften Freitagabendspiel mit 2:0 (0:0) nieder und schob sich zumindest vorübergehend vor Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04. (Die Tabelle)

Heldt: "So kann es weitergehen"

Abheben will Heldt mit Hannover trotzdem nicht: "So kann es weitergehen", sagte er bei Eurosport: "Alle funktoinieren hier im Verein, den Trainer lobe ich ja eh schon die ganze Zeit. Aber so muss es auch weitergehen, wir dürfen nicht nachlassen, wir wollen die Klasse halten."

Heldt weiter: "Wir haben verdient gewonnen, ein Derby ist immer etwas anderes. Wir wissen, dass wir eine schwere Aufgabe vor uns haben, wir wollen die Klasse halten. Aber wir sind seit März ungeschlagen, das kommt nicht von ungefähr."

Sein Hamburger Pendant Jens Todt meinte: "Uns hat heute einiges gefehlt, Hannover war bei den Gegentoren gedanklich schneller. Sicher ist einer der Gründe für die Niederlage, dass fünf Stammspieler gefehlt haben."

Martin Harnik traf kurz nach dem Seitenwechsel aus kurzer Distanz zur Führung der 96er (50.), es war bereits der dritte Saisontreffer des gebürtigen Hamburgers.

Patzer von Mathenia

Neuzugang Ihlas Bebou erhöhte nach einem Fehler von HSV-Torwart Christian Mathenia (82.) für den Aufsteiger. (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen)

Die Niedersachsen sind damit auch nach 14 Pflichtspielen unter Breitenreiter ungeschlagen.

Der HSV um Trainer Markus Gisdol musste nach einem starken Auftakt mit zwei Dreiern nun die zweite Niederlage in Folge verkraften.(Ergebnisse und Spielplan)

Highlights am Sonntag, 9.30 Uhr bei "Bundesliga Pur" im TV auf SPORT1

Zunächst ohne Neuzugang Sejad Salihovic, der nach Unterzeichnung eines Einjahresvertrag direkt auf der Bank Platz nahm, startete der HSV vor 49.000 Zuschauen in der ausverkauften Arena wild entschlossen in die Partie und attackierte den Aufsteiger schon am gegnerischen Sechzehner.

Gefährlicher Freistoß von Holtby

Ein Freistoß von Lewis Holtby aus 18 Metern strich nur knapp rechts am Tor vorbei (4.). Auch nach der anschließenden Ecke wurde es für die Gastgeber gefährlich.

Die Hanseaten waren zunächst besser drin, obwohl sie ersatzgeschwächt nach Niedersachsen gereist waren.


Auch Sturmspitze Bobby Wood hatte wegen Knieproblemen passen müssen, im Angriff erhielten Bakery Jatta und Sven Schipplock Gisdols Vertrauen.

Hannover hatte zunächst so seine Probleme mit den aggressiven Hamburgern. Die 96er, die kurzfristig auf Rekordtransfer Jonathas(Oberschenkelprobleme) und ab der 14. Minute auch auf Verteidiger Felipe verzichten mussten, kämpften sich mit zunehmender Spielzeit dann besser in die Partie.

Vor dem Tor agierte Breitenreiters Elf aber harmlos. Marvin Bakalorz mit einem Schlenzer aus 20 Metern und Martin Harnik zielten zu ungenau (19., 24.).

Sprechchöre gegen Kind

Während sich das Heimteam auf dem Rasen mühte, herrschte auf den Tribünen eine merkwürdige Stimmung.

Immer wieder initiierten einige Anhänger in der Kurve Sprechchöre gegen Klub-Präsident Martin Kind, der bei 96 vor der Übernahme der Profiabteilung steht.


Andere Fans quittierten dies mit einem Pfeifkonzert und riefen: "Ultras raus!". Die Akteure auf dem Feld konnten die Stimmung bis zum Pausenpfiff nicht aufhellen, zu fehlerhaft agierten beide Teams.

Nach dem Treffer von Harnik war es in der Arena deutlich lauter, auch weil die Hausherren am Drücker blieben.

Immer wieder beschwor der flinke Bebou Gefahr herauf, und der HSV wackelte wie beim Abschluss von Niclas Füllkrug bedenklich (53.). Gisdol reagierte und brachte Salihovic, der bei seinem Debüt für Gefahr in der Schlussphase sorgen sollte.

Für die Fans der Hamburger gab es zumindest einen Lichtblick: Nach den technischen Problemen bei den Live-Übertragungen der letzten Spiele im Eurosport-Player, lief der Livestream diesmal weitgehend störungsfrei.