Die Aufreger des Derbys: Verlierer Aubameyang und Bosz

Thorsten Mesch, Christoph Küppers, Thorsten Langenbahn, Lukas Rott

Das 151. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hatte alles, was ein Fußballfan sich wünschen kann:

Acht Tore, eine historische Aufholjagd, einen Helden, der zum Buhmann wurde und ein Ende mit ausufernden Emotionen.

Bei einigen Spielern lagen die Nerven blank, andere mussten schon während des Spiels vor sich selbst geschützt werden.


Für die beiden Trainer hätte das Derby kaum unterschiedlicher laufen können.

Dortmunds Chefcoach Peter Bosz sah schon wie der große Triumphator aus, doch dann coacht Schalkes Trainer Domenco Tedesco den Niederländer aus, der nun mehr denn je um seinen Job bangen muss.

SPORT1 beleuchtet die wichtigsten Szenen eines verrückten Spiels:

- Die Hand Aubas zum 1:0

Pierre-Emerick Aubameyang brachte Dortmund nach nur zwölf Minuten in Führung.Dabei sprang ihm der von Ralf Fährmann abprallende Ball an die Hand und von dort aus ins Tor. Die Schalker Proteste nützten nichts.


Schiedsrichter Deniz Aytekin war sich seiner Sache nämlich sicher. "Es war für uns kein absichtliches Handspiel. Der Videoschiedsrichter hat es auch so bestätigt. Insofern war das ein reguläres Tor, auch wenn der Ball von der Hand dahingeht", sagte Aytekin bei SPORT1.

- Tedescos goldenes Händchen


Dortmund  legte nach der Führung direkt dreimal nach und führte nach nur 25 Minuten mit 4:0, Tedesco hat die Hoffnung schon aufgegeben.

"Nach 25 Minuten habe ich den vierten Offiziellen gefragt, ob wir heute nur 70 Minuten spielen dürfen. Auch in der Halbzeit habe ich nicht mehr daran geglaubt", erklärte der S04-Coach später.

Doch Schalkes Trainer reagierte richtig und wechselte in der 33. Minute die schwachen Franco Di Santo und Weston McKennie aus.


Mit Leon Goretzka bekam das Schalker Spiel mehr Stabilität in der Defensive, Amine Harit sorgte für mehr Torgefahr und erzielt den wichtigen Treffer zum 4:2.

- Kehrer im Glück

Noch vor der Pause hätte die Partie allerdings entschieden sein können, wenn der schon verwarnte Timo Kehrer nach einem total unnötigen Foul gegen Yarmolenko Gelb-Rot gesehen hätte.

Unverständlicherweise entschied sich Aytekin jedoch gegen die Ampelkarte.

"Ich glaube, dass wir da ein bisschen Glück hatten. Wenn wir da Rot kriegen können wir uns nicht beschweren und dann ist es vorbei", meinte Tedesco, der Kehrer richtigerweise in der Pause auswechselte.


- Aubameyangs Leichtfertigkeit entscheidet das Spiel

Kurz nach dem Wechsel vergab Aubameyang nach einem Fährmann-Patzer leichtfertig die Riesenchance zum 5:0, wodurch die Partie entschieden gewesen wäre (56.).

Stattdessen verkürzten die Gäste auf 2:4 und profitierten dann in der 72. Minute von Aubas Aussetzer, als der bereits verwarnte Gabuner den Schalker Harit auf der linken Abwehrseite ohne große Not umsenste. Schiedsrichter Aytekin bleibt nichts anderes übriges, als ihn des Feldes zu verweisen.


"Es ist Schwachsinn, sich da Gelb-Rot abzuholen", kritisierte BVB-Torwart Roman Weidenfeller seinen Teamkollegen, der dem BVB mit seiner Unbeherrschtheit einen Bärendienst erwies. In Unterzahl kassierte Dortmund noch zwei Tore und verspielt den schon sicher geglaubten Sieg.


"Spätestens ab dem 4:2 und der roten Karte fing es in allen Köpfen im Stadion an zu rattern. Danach waren wir emotional im Aufwind, das haben wir ausgenutzt", machte Schalkes Nationalspieler Leon Goretzka die Szene als einen der Knackpunkte aus.

- Fährmann provoziert Rudelbildung

Nach dem Schlusspfiff sorgte Schalkes Keeper Ralf Fährmann für Aufregung, weil er das 4:4 ausgerechnet vor der Südtribüne mit den treuesten BVB-Fans zu überschwänglich feierte und den Anhang und die Spieler der Schwarz-Gelben dadurch auf die Palme brachte.


"Es war ein Fehler von mir und nicht gentlemanlike", räumte Fährmann nach dem Spiel ein: "Ich musste mich derbe beleidigen lassen, aber das ist keine Entschuldigung."

- Bosz hat keine Antwort

Während Tedesco nach dem 0:4-Rückstand seine Mannschaft wieder in die Spur brachte, schaffte es Dortmunds Trainer nicht, beruhigend auf seine Spieler einzuwirken. Der BVB ließ Schalke wieder ins Spiel kommen und brach am Ende ein.


"Man fühlt im Körper nur Enttäuschung. Wenn man 4:0 führt, Aubameyang das fünfte Tor machen muss, darf das niemals passieren, auch nicht mit der Roten Karte, die wir bekommen haben", sagte ein ratloser Bosz. "Ich glaube, es ist passiert, weil wir in der zweiten Halbzeit keinen klaren Fußball mehr gespielt haben."

Seit dem 6:1 gegen Mönchengladbach hat Dortmund keine zweite Hälfte mehr für sich entschieden. Das Derby ist der Tiefpunkt dieser Negativentwicklung, Dortmunds Chefcoach steht nach dem verkorksten Derby vor dem Aus.