Der perfekte Apfel – Der Kampf um das Lieblingsobst der Deutschen

Die alte Binsenweisheit „An apple a day keeps the doctor away“ nimmt sich der Durchschnittsdeutsche durchaus zu Herzen, wie der Apfel-Pro-Kopf-Verbrauch zeigt. (Bild: ddp Images/Aleksandar Varbenov)

Was in deutschen Obstkörben an Äpfeln landet, ist nicht immer die gesündeste oder günstigste Variante. Das hat unter anderem wirtschaftliche Gründe. Eine ZDF-Doku beleuchtet nun den Kampf um den Apfel.

Beachtliche 19 Kilo Äpfel isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Bei über 82 Millionen Einwohnern ergibt dies selbstredend ein enormes Marktpotenzial. Doch obwohl es 2000 einheimische Apfelsorten gibt, landen nur wenige – und immer wieder die gleichen – auch wirklich in den Regalen der heimischen Supermärkte. Warum das so ist, dem geht die ZDF-Dokumentation „Der wahre Preis für den perfekten Apfel“ auf den Grund.

In der Doku kommt unter anderem die Bäuerin Marina Frey zu Wort. Ihre Apfelernte beträgt normalerweise 700 Tonnen pro Jahr. 2017 fiel die Ernte durch schlechtes Wetter und Bodenfrost mit nur 50 Kilogramm katastrophal aus. Frey erklärt, wie hart das Geschäft um das Lieblingsobst der Republik ist. Besonders streng sind die EU-Richtlinien für Obst. Die geben genau vor, wie das Obst auszusehen habe. Auf 26 Seiten geben die EU-Anforderungen für Handelsklassen jedes kleine Detail genau vor. „Wir haben zum einen die Größe. Dieses Jahr gibt es nicht viele Äpfel, da darf er ein bisschen kleiner sein. Und dann muss er einen bestimmten Farbanteil besitzen“, so die Bäuerin. Äpfel, die diesen Kriterien nicht entsprechen oder geringfügig abweichen, müssen aussortiert werden und gelangen nicht in den Verkauf.

Deutsche Supermärkte setzen auf etablierte Sorten. Im Obstkorb der Deutschen landen zumeist Braeburn-Äpfel (44 Prozent), Elstar (42 Prozent), Jonagold (40 Prozent), Gala (37 Prozent) und Pink Lady (35 Prozent). Das berichtet die „Bild“.

Deutsche Konsumenten greifen am liebsten zu denselben Sorten. (Bild: ddp Images/Manfred Ruckszio)

In 44 Prozent aller Einkaufswagen landen Braeburn-Äpfel, dicht gefolgt von Elstar (42 Prozent), Jonagold (40 Prozent), Gala (37 Prozent) und Pink Lady (35 Prozent). Besonders auffallend: Die Sorte Pink Lady wird unter einem geschützten Label vermarktet und kostet mit 2,89 Euro pro Kilo fast das Doppelte im Vergleich zu den üblichen Sorten. Und doch greifen die Konsumenten zur teureren Variante. Das hat zwei Gründe: Erstens kaufen die Verbraucher gern Produkte, die sie bereits kennen und für gut erachten. Zweitens, wird der stellvertretende Aldi-Chefeinkäufer Florian Hinrichs zitiert, legt der Kunde großen Wert auf Qualität – auch optisch. Äpfel mit optischen Makeln bleiben deshalb weitgehend im Regal liegen. „Der Kunde möchte tendenziell makellose Ware haben“, so Hinrichs.

Um den Designer-Apfel ist ein lukratives Geschäftsfeld entstanden. Firmen erheben Patente auf einzelne Sorten und sichern sich die Namensrechte. Landwirte müssen, wollen sie die Sorte anbauen, eine Lizenzgebühr zahlen. Der Züchter kontrolliert Menge und Preis. Das beste Beispiel hierfür ist „Pink Lady“. Deren Geschäftsstrategie geht mit großem Erfolg auf: Während 2007 92.000 Tonnen Äpfel dieser Sorte produziert wurden, werden 2025 ganze 280.000 Tonnen erwartet.

Dabei sind alte Sorten, die es nicht mehr in den Supermarkt schaffen, oft eindeutig gesünder, wie die Dokumentation deutlich macht. Bei der Laboruntersuchung zeigt sich, dass Supermarktäpfel viel weniger sogenannte „Polyphenole“ besitzen – Inhaltsstoffe, die als besonders gesund gelten und die sogar als Mittel in der Krebsbehandlung infrage kommen.

Ein Fazit der Dokumentation: „Ein Naturprodukt wird zur Designerware.“