„Der kleine Prinz“ als Schreibblock: So entstand der neue Text von Deniz Yücel im Gefängnis

Erst bei der „taz“, dann bei der „Welt“ – Yücels Stimme prägt den Berliner Journalismus. (Bild: ddp Images)

Seit einem Jahr ist Journalist Deniz Yücel in der Türkei inhaftiert. Lediglich über seine Anwälte und Familienangehörige kann er mit der Außenwelt kommunizieren. Nun erscheint ein Buch, das einen neuen Text Yücels enthält – den er unter schwierigsten Bedingungen verfasste.

Der im Gefängnis von Yücel verfasste Text trägt den Titel „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“ und ist einer gleichnamigen Reportagen-Sammlung beigefügt, die zum Jahrestag seiner Inhaftierung auf im Nautilus-Verlag erscheint. Da man dem Journalisten im Gefängnis Stift und Papier vorenthält, musste der Wahl-Berliner kreativ werden, um seinen Text abzufassen.

Mehrere „Free Deniz“-Demos fanden bereits in Berlin statt. (Bild: AP Photos)

Mit einer abgebrochenen Plastikgabel als Schreibinstrument und roter Soße als Tinte begann er seine Aufzeichnungen, schildert er in einem Beitrag für die „Welt“. Später konnte er einen Stift aus einer Arztpraxis in seine Zelle schmuggeln. Lediglich Papier fehlte dem Reporter. Dann brachte seine Frau Dilek ihm – ohne weitere Hintergedanken – eine türkische Ausgabe von „Der kleine Prinz“ ins Gefängnis. Darin fing er dann an zu schreiben.

Das Büchlein von Antoine de Saint-Exupéry enthält viele Illustrationen, die keine ganzen Seiten ausfüllen. Auf diesen unbemalten Flächen hat Yücel seine Eindrücke aus dem Gefängnis Silivri notiert. Dort befindet sich der 44-Jährige in Untersuchungshaft. 290 Tage davon saß er in einer Einzelzelle und hatte zu keinem anderen Insassen Kontakt. Ein Auszug, den die „Welt“ abdruckte, lautet: „Licht: Auf dem Korridor brennt unentwegt dasselbe Neonlicht. In den Zellen ist es stets schummrig. Zu hell zum Schlafen, zu dunkel zum Lesen. Geht aber beides, irgendwie.“

Inzwischen wird „Der kleine Prinz“ in mindestens einer anderen türkischen Haftanstalt nicht mehr an Gefangene ausgegeben. In einer Meldung der kurdischen Nachrichtenagentur „ANF News“ vom 28. Dezember 2017 heißt es, im Gefängnis von Amed (Diyabakır) sei einem Inhaftierten die Aushändigung des Buches neben anderen Märchengeschichten verweigert worden mit der Begründung, „dass es sich nicht um Lehrbücher handele und ihre Aushändigung zu einem chiffrierten und nicht kontrollierbaren Informationsaustausch führen könne.“ Ob diese Maßnahme in Zusammenhang mit Yücels Schmuggel-Aktion steht, blieb dabei unklar, scheint aber wahrscheinlich.