Der herzzerreißende Bericht von Steve Jobs’ Tochter über ihre Kindheit: Psychologen schalten sich ein

Steve Jobs‘ Tochter Lisa Brennan-Jobs hat unter dem Titel „Small Fry” ihre Memoiren geschrieben und die „Vanity Fair“ hat einen Ausschnitt daraus veröffentlicht, der einen Einblick gibt, wie sehr ihr Vater als Elternteil versagte.

Brennan-Jobs schreibt, dass ihr Vater von Beginn an wenig von ihr beeindruckt war. Sie behauptet, dass ihr Vater die Vaterschaft erst anerkannte, nachdem ein Bezirksstaatsanwalt von San Mateo County, Kalif., ihn gezwungen hatte, einen Vaterschaftstest zu machen und ihrer Mutter, Chrisann Brennan, Alimente zu zahlen.

Sie schrieb auch, dass Jobs’ Anwälte darauf bestanden, dass die Alimente nur bis zum 8. Dezember 1980 gezahlt würden, vier Tage vor Apples Börsengang, der Jobs unglaublich reich machte.

Lisa Brennan-Jobs und Steve Jobs. (Bilder: Facebook/Lisa Brennan-Jobs; Getty Images)

Brennan-Jobs erwähnt zahlreiche Anekdoten über ihren Vater, die kein rosiges Bild zeichnen und sagt, dass er nie „großzügig mit Geld, Essen oder Worten“ war. Sie sagt, sie dachte, dass ihr Vater seinen Porsche jedes Mal austauschte, wenn er zerkratzt war und fragte ihn einmal, ob sie sein derzeitiges Auto haben könne, wenn er es loswerden wolle. „Du bekommst gar nichts“, sagte er angeblich. „Verstehst du das? Nichts. Du bekommst nichts.“

„Für ihn war ich ein Schandfleck in seiner spektakulären Karriere, da unsere Geschichte nicht zur Erzählung über Größe und Tugend passte, die er wohl für sich selbst wollte“, schreibt Brennan-Jobs. „Meine Existenz ruinierte seine Glückssträhne. Für mich war es das Gegenteil: Je näher ich ihm war, desto weniger schämte ich mich; er war Teil der Welt und er würde mich ins Licht heben.“

Brennan-Jobs beschreibt auch ein verwirrendes Erlebnis wie ihr Vater ihr einmal erzählte, dass er den Apple Computer Lisa, den er vor dem Macintosh entwickelt hatte, nicht nach ihr benannt hatte. Aber als sich ihre Beziehung besserte, schreibt sie, erzählte er später Bono von U2, dass er ihn nach ihr benannt hatte.

Brennan-Jobs sagt, sie besuchte ihren Vater regelmäßig, als er schwer an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, aber letzten Endes gab sie die „Möglichkeit einer großen Versöhnung“ auf.

Brennan-Jobs’ Bericht über ihre Beziehung zu ihrem Vater ist herzzerreißend und leider kann diese Art der Erziehung einen nachhaltigen Einfluss auf ein Kind haben, sagt der klinische Psychologe John Mayer, Autor von „Family Fit: Find Your Balance in Life“. Er sieht häufig Kinder in seiner Praxis, deren Väter ihre Vaterschaft verleugnen und sagt, dies könne dem Identitätsgefühl eines Kindes einen „verheerenden Schlag“ versetzen.

Der Versuch eines Elternteils, die Vaterschaft zu leugnen, ist eine brutale Ablehnung, sagt Dr. Gail Saltz, Psychiaterin und Autorin von „The Power of Different“, Yahoo Lifestyle. „Solch eine extreme Ablehnung von einem Elternteil ist äußerst schmerzhaft“, sagt sie. „Ein Kind und später dieser Erwachsene kann Gefühle haben, die von der Infragestellung seines Wertes, einem niedrigen Selbstwertgefühl, dem Gefühl der Wertlosigkeit bis hin zu Depression und Angst reichen.“

„Die meisten von uns sind so veranlagt, dass wir eine Verbindung zu unseren Eltern haben wollen”, erklärt Familientherapeut David Klow, Inhaber des Skylight Counseling Center in Chicago und Autor von „You Are Not Crazy: Letters from You Therapist“, Yahoo Lifestyle. „Wenn es Vernachlässigung durch die Eltern gibt oder schlimmer noch, Ablehnung, kann das die sozialen und emotionalen Fähigkeiten des Kindes nachhaltig beeinträchtigen.“

Kinder neigen dazu, sich in einer solchen Situation schuldig zu fühlen und haben oft das Gefühl, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn ihre Eltern so handeln, erzählt Mayra Mendez, Psychotherapeutin und Programmkoordinatorin im Providence Saint John’s Child and Family Development Center in Santa Monica, Kalifornien, Yahoo Lifestyle. Erst wenn sie ins Teenageralter kommen oder noch später, erkennen sie, dass das nicht der Fall ist.

Was Jobs’ Mangel an Großzügigkeit betrifft, den sie anspricht, kann auch dieser einen dauerhaften Effekt haben, sagt Mayer. „Großzügigkeit eines Elternteils ist ein Zeichen für Liebe und Sicherheit“, so Mayer. „Deshalb sendet das Fehlen von Großzügigkeit eine laute Nachricht an das Kind, dass sie nicht geliebt werden und dass sie in der Welt nicht sicher sind.“

All dies kann einen „ständigen Konfliktzustand“ in einem Menschen hervorrufen, sagt Mayer. „Sie leben mit diesem Hindernis“, sagt sie. „Dies ist eine sehr anstrengende Situation und meiner Meinung nach mentaler Missbrauch.“

Wie sehr der andere Elternteil zur Verfügung steht, stabil und liebevoll ist, ist auch wichtig, sagt Mendez. „Man kann sehen, dass einige der negativen Faktoren wie Schuld, Unsicherheit und Ungeliebtheit durch ein wirklich starkes Fundament und eine sichere Bindung abgemildert werden“, sagt sie.

Für Menschen, die nur einen Elternteil haben, empfiehlt Klow, Unterstützung bei anderen Menschen in ihrem Leben zu suchen. „Finden Sie andere, die zuverlässig in Ihrem Leben präsent sind und Sie schätzen“, sagt er. Es ist auch wichtig zu versuchen, einen Schlussstrich unter die Beziehung zu ziehen, was oft mithilfe einer Therapie geschehen kann, sagt Mayer. „Das Endergebnis dieses Prozesses des Abschließens ist, dass die Person diesen Elternteil auf die gleiche Weise ablehnt, wie der Elternteil sie abgelehnt hat“, erklärt er. „Dies geschieht über die Erkenntnis, dass nur weil diese Person an der physischen Zeugung beteiligt war, um Ihnen das Leben zu schenken, muss sie kein ‚Elternteil‘ sein, wenn sie Ihnen nicht auch Liebe, Sicherheit und Respekt gibt.“

Brennan-Jobs Memoiren erscheinen am 4. September.

Korin Miller