Der große Lebensmittel-Check mit Tim Mälzer

Den Koch Tim Mälzer interessiert in der ARD-Sendung vor allem, wo die Lebensmittel eigentlich herkommen – und warum das für die Kunden nicht immer nachvollziehbar ist. (Bild: ddp)

Wussten Sie, dass der Begriff „Regional“ nicht geschützt ist? Oder dass Alpenmilch nicht automatisch etwas mit glücklichen Bergkühen zu tun haben muss? Für die ARD machte Star-Koch Tim Mälzer den Lebensmittel-Check – wir stellen die wichtigsten Erkenntnisse vor!

Regional: Was bedeutet das eigentlich?

Wer sich bewusst und umweltschonend ernähren möchte, achtet darauf, dass die Supermarktprodukte mit regionaler Herstellung punkten. Im ARD-„Lebensmittel-Check“ wird dem Koch Tim Mälzer allerdings schnell bewusst, dass „Region“ auf Seiten der Händler ein äußerst dehnbarer Begriff ist. „Darunter versteht jeder etwas anderes“, erklärt ihm Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Die bittere Erkenntnis: Der Aufdruck „Regional“ ist nicht geschützt! So kann es passieren, dass die vermeintlich regionalen Produkte sehr wohl aus der ganzen Welt stammen und in Deutschland lediglich die Produktion stattfindet.

Stammt die Alpenmilch tatsächlich von glücklichen Bergkühen?

Auch die Milch-Hersteller arbeiten mit vielen Tricks, um uns das Produkt noch schmackhafter zu machen. Doch Vorsicht: Auch der Begriff „Alpenmilch“ ist gesetzlich nicht geregelt und kann ebenso aus dem Flachland stammen. Wichtig sei bei der Kennzeichnung lediglich der letzte Produktionsschritt, also das Abfüllen: Das Identitätskennzeichen auf der Verpackung gibt Auskunft über den Sitz der Molkerei, nicht über die Herkunft der Milch.

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„Der Informationsgehalt, den ich auf der Packung ablesen kann, geht gegen Null“, ärgert sich Mälzer bevor er CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt zur Rede stellt. Denn: In Frankreich beispielsweise wird dem Verbraucher durch eine genaue Herkunftsbezeichnung auf der Milchverpackung transparent vermittelt, wo seine Milch wirklich herkommt. Die ernüchternde Antwort des Politikers: In Deutschland gebe es keinen Bedarf.

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Wie ausbeuterisch das System rund um die Discounter-Preise für Milch tatsächlich ist, erfährt Mälzer vom Ernährungswissenschaftler Gerhard Jahreis von der Universität Jena: „Wir haben inzwischen Tiere, die 10.000 Liter Milch geben. Die dürfen sich aber nicht bewegen, damit das klappt.” Dass davon nicht etwa die Landwirtschaft, sondern in erster Linie die Konzerne profitieren, bestätigt Landwirt Simon Sedlmair, der einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter benötigt, um über die Runden zu kommen, aber nur 33 Cent verdient.

Worauf sollte man beim Fleischkauf achten?

Tierschutz kostet. Nur die Siegel der Bio-Verbände garantieren eine artgerechte Tierhaltung, von dem Kauf von billigem Discounter-Fleisch sollten Verbraucher grundsätzlich absehen. Das eigentliche Problem sieht Matthias Wolfschmidt von „Foodwatch“ im Überangebot am Markt.

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Mehr Qualität würde eine niedrigere Produktion bedeuten – damit entfiele für die Handelsriesen die Möglichkeit, die Preise zu drücken. Hier sieht Tim Mälzer ganz klar die Politik in der Verantwortung, die seiner Meinung nach auf die artgerechte Tierhaltung und die daraus resultierende höhere Qualität der Fleischprodukte bestehen sollte.

Das ernüchternde Fazit

Der Check von Mälzer beweist: Lebensmittel sind oft sehr schlecht gekennzeichnet. Verbraucher werden über die genaue Herkunft ihrer Nahrung meist im Dunkeln gelassen. Die Gesetzgebung ist schwammig und verlangt keine wirkliche Transparenz und Zurückverfolgbarkeit der Ware. Ganz sicher können sich Verbraucher über die Herkunft tatsächlich nur sein, wenn sie ihre Lebensmittel auf dem regionalen Wochenmarkt oder direkt beim Landwirt kaufen.

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