Der FC Bayern darf nicht in der Vergangenheit leben

Der FC Bayern München hat sich von Teamarzt Dr. Volker Braun getrennt. Im Raum steht nun offenbar eine Rückkehr von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der Rekordmeister muss aufpassen, nicht zu lange in Erinnerungen zu schwelgen. Ein Kommentar.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt steht wohl vor seinem FCB-Comeback

Schon im September vermeldete die Münchner TZ, dass der FC Bayern auf Wunsch von Präsident Uli Hoeneß eine Möglichkeit sucht, Müller-Wohlfahrt wieder im Ärzteteam zu integrieren. Etwas mehr als einen Monat ist seitdem vergangen – und die Zeichen stehen auf Rückkehr.

Der FC Bayern gab kürzlich bekannt, sich von Dr. Braun getrennt zu haben. Offiziell nahm der Arzt selbst seinen Hut, in den Medien wird allerdings eine andere Version verbreitet. Der Klub soll alles andere als zufrieden mit den Diagnosen und Ausfallzeiten der Spieler gewesen sein.

Antreiber der Trennung soll demnach aber nicht Hoeneß, sondern Sportdirektor Hassan Salihamidzic gewesen sein. Der Ex-Profi wurde einst selbst von Müller-Wohlfahrt betreut und analysierte laut TZ bereits im September, wie “Mull” wieder integriert werden könnte.

Hoeneß selbst ein Patient

Nun ist Braun Geschichte beim FC Bayern und Müller-Wohlfahrt steht offenbar vor einem Comeback. Der Süddeutschen Zeitung zufolge hat er seinen “Einfluss beim FC Bayern wieder ausgebaut“ und sein “Netzwerk genutzt.“

Kleine schmeichelhaften Adjektive in der Fernbeurteilung. Selbst bot sich Müller-Wohlfahrt über die Bild an: “Ich habe den Verein wissen lassen, dass ich bereit bin, in schwierigen Fällen zu helfen.” Den öffentlichen Weg hätte er wohl gar nicht nötig gehabt, gastiert Hoeneß doch gerne in seiner Praxis in der Altstadt Münchens.

Der Einfluss des in Fachkreisen nicht unumstrittenen Müller-Wohlfahrt ist auch nach seinem Rücktritt 2015 stets aufrecht geblieben. Mancher Star ließ sich weiterhin in seiner Praxis behandeln, nun nahm der Arzt auch im Fall Braun eine beratende Rolle ein, so die Bild.


Pures Mia san Mia

Insgesamt zeichnet das kein gutes Bild vom FC Bayern. Es riecht nach Vetternwirtschaft, es wirkt ein wenig so als würde die Führungsriege ein Team voller alter Haudegen und Vertrauenspersonen um sich scharen.

Hassan Salihamidzic, Jupp Heynckes – nun eventuell wieder Müller-Wohlfahrt. Pures Mia san Mia. Letztlich darf dies allerdings nur eine Momentaufnahme sein. Sollte man schlicht in der Personalwahl danebengelegen haben und kann dies nun so kurzfristig beheben ist alles in Ordnung.

Schwierig wird es allerdings, wenn der FC Bayern damit beginnt, in der Vergangenheit zu leben. Ein Sprichwort sagt: “Wer in der Vergangenheit lebt, tut sich in der Gegenwart schwer und hat keine Zukunft.”

FC Bayern darf nicht in Vergangenheit leben

Das gilt es aus Sicht des FC Bayern zu vermeiden. Kurzfristig können Heynckes oder Müller-Wohlfahrt helfen, den Kurs wieder auszurichten. Für alle weiteren Schritte werden Einflüsse von außerhalb aber unersetzbar sein.

Es ist romantisch und hilfreich zugleich, wenn der Verein seine Freunde hat, die stets zur Verfügung stehen. Doch ohne Konkurrenz, ohne Ideen von außen bleibt die Entwicklung stehen. Gerade im Fußball eine nicht zu vernachlässigende Aufgabe der Vereinsführung.

Wo wäre der FC Bayern heute ohne die Einflüsse von Trainern wie Louis van Gaal oder Pep Guardiola? Die Aufbauarbeit von Jürgen Klinsmann und Michael Reschke? Und gleichwohl ohne die Hilfe von Jupp Heynckes? Die richtige Mischung ist wie so oft entscheidend.