Der Faktor X in Merkels CDU-Kabinett: Wer ist die neue Bildungsministerin Anja Karliczek?

Anja Karliczek soll die Nachfolgerin von Bildungsministerin Johanna Wanka werden. (Bild: AP Photo/Ferdinand Ostrop)

Gestern stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Liste ihrer Ministerkandidaten für eine mögliche Neuauflage der Großen Koalition vor. Mit einer Wahl haben nur wenige gerechnet: Anja Karliczek übernimmt das Ministerium für Bildung und Forschung.

In einer ohnehin schon überraschenden Riege neuer Gesichter ist sie wohl die größte Überraschung: Sollte es zu einer Großen Koalition kommen, wird Anja Karliczek das Bildungsministerium übernehmen. Dass die derzeitige Bildungsministerin Johanna Wanka in keine weitere Amtsperiode gehen wird, hatte sie bereits länger angekündigt – nun folgt ihr mit Karliczek eine Politikerin nach, die vielerorts als „willensstark“ und „zupackend“ beschrieben wird.

Die 46-jährige Diplomkauffrau und Mutter dreier Kinder ist seit 1998 Mitglied der CDU und hatte sich zuvor bereits bei Veranstaltungen der Frauen-Union in Sachen Kinderbetreuung engagiert. Karliczek, die in Ibbenbüren geboren ist, gehört seit 2013 dem Bundestag an. In ihrem Wahlkreis Steinfurt III in Nordrhein-Westfalen wurde sie 2013 und 2017 dorthin mit einem Direktmandat gewählt. Derzeit ist sie parlamentarische Geschäftsführerin in der Unionsfraktion.

Karliczek ist ausgebildete Bankkauffrau, wechselte jedoch später in den Hotelbetrieb der Familie. Sie ließ sich zur Hotelfachfrau ausbilden, absolvierte später ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre, das sie mit dem akademischen Titel „Diplom-Kauffrau“ abschloss.

Karliczek und die designierte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

Im Feld der Wissenschaft und Forschung kann sie bis dato keine Erfahrung aufweisen. Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich bei der Präsentation der Ministerliste indes überzeugt von den Qualitäten Karliczeks. „Ich bin überzeugt, dass sie die Aufgabe, die ja neu für sie ist, sehr gut ausfüllen wird“, so Merkel, die im Anschluss kurz die Biographie der designierten Ministerin umriss. „Das ist eine große Anstrengung, zeugt von klarem Willen. Sie hat sich in der Fraktion schnell in sehr schwierige Themen eingearbeitet und ist das lebendige Beispiel dafür, wie man berufliche Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, akademische Bildung auf neuen und ungewohnten Bildungswegen sehr, sehr gut vereinbaren kann – und ich denke, sie wird auch ein großes Herz für die Wissenschaft haben“.

Mit Karliczek löst Merkel auch ihre Ankündigung ein, dass die Hälfte der Ministerposten an Frauen gehen soll. Zudem soll es eine Rolle spielen, dass sie katholisch ist – gab es doch in der CDU internen Unmut darüber, dass viele der Spitzenplätze von Protestanten (Merkel, Schäuble, Kauder) besetzt sind.

Gegenüber „Bild“ erklärte Karliczek: „Ich nutze die Zeit jetzt, um mich noch tiefer in die Materie einzuarbeiten. […] Und ich freue mich wirklich darauf.“ Auch sie sei überrascht gewesen: „Natürlich ist das überraschend, wenn einen die Kanzlerin anruft und fragt, ob man Ministerin werden will.“