In den „Zwickau Arcaden“: Hinweis auf syrischen Friseur löst Internet-Hetze aus

Die „Klier“-Filiale befindet sich in den „Zwickau Arcaden“. (Bild: ddp Images)

In einem Einkaufszentrum im sächsischen Zwickau sorgte ein Hinweisschreiben für zahlreiche Verbalattacken und teils rassistische Kommentare, nachdem es via Facebook im Internet veröffentlich wurde.

Wegen Personalmangel sollte ein junger syrischer Flüchtling innerhalb eines Zeitraums von fünf Tagen nachmittags allein in der Friseur-Filiale „Klier“ in den „Zwickau Arcaden“ eingesetzt werden. Der schriftliche Hinweis des Friseur-Teams, dass in dieser Zeit ausschließlich Männer bedient werden könnten, löste eine Welle von Beschimpfungen und Anfeindungen aus. Eine Arcaden-Kundin hatte das Foto vorher auf ihrem Facebook-Profil gepostet.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine rege Diskussion unter dem Foto-Post. Vor allem fremdenfeindliche Kommentare waren hier zu lesen. Dabei war die Stellungnahme des Friseurs von den meisten Usern schlichtweg falsch verstanden worden. Denn der syrische Friseur hatte in Syrien nur eine Ausbildung zum Herrenfriseur erhalten und beherrscht das Frisieren von Damen einfach nicht. So ist es ihm ab den späten Nachmittagsstunden in diesen fünf Tagen also nur möglich, Männer zu bedienen.

Die Internet-Community aber hielt den Zettel für einen Hinweis darauf, dass der Syrer aus religiösen Gründen keine Frauen bedienen wolle. Ein weitreichendes Missverständnis also, das sogar zu persönlichen Drohungen gegen den Mann führte.

Ein Facebook-User schrieb: „Einfach boykottieren. Leichter geht es nicht, seine Meinung kund zutun.“ Dieser Nutzer schimpfte: „Es ist ein Wahnsinn, was hier abgeht. Boykott ist hier die einzige Antwort! Ich hoffe ihr geht krachend pleite!“ Und dieser User fragte: „Ist das noch mein Heimatland? – Ich bin am grübeln!“

In einer sofort folgenden Stellungnahme der Friseur-Kette „Klier“ hieß es daraufhin: „Die Geschäftsleitung von Frisör Klier bedauert, dass es diesen missverständlichen Aushang gegeben hat. […] Frisör Klier beschäftigt viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern – darauf sind wir sehr stolz. […] Wir wollen den Menschen damit einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen.“

Und weiter:

„Bei dem Mitarbeiter in besagtem Salon handelt es sich um einen Herrenfrisör aus Syrien. Das heißt, dass er in seiner Heimat ausschließlich zum Herrenfrisör ausgebildet worden ist. Das macht er perfekt. Aber er hat keine beruflich-fachliche Qualifikation, einen Damen-Haarschnitt auszuführen. Folglich bedient er ausschließlich aus diesem Grund nur Herren. Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen. Gleichzeitig entschuldigen wir uns ausdrücklich für das Missverständnis.“

Obwohl die „Klier“-Kette mit 800 Filialen so schnell reagiert hatte, gingen die rassistischen Beschimpfungen seitens einiger Facebook-User weiter: „Ich glaube, ich muss da mal mit meinem Schlagstock rumkommen“, schrieb ein Nutzer aus Chemnitz. Er fügte hinzu: „Anderer seits lieber so als das er die ganzen Frauen vergewaltigt.“

Rüdiger Schmitt, Sprecher der Friseurkette, sagte der „Bild“ auf Nachfrage: „Wir helfen Menschen bei der Integration. Vorwürfe, wir würden Geld sparen wollen, sind Unsinn. Dieser Mitarbeiter bekommt einen branchenüblichen Tariflohn.“

Nachdem auch in der Filiale selbst Drohanrufe eingingen, wird der junge Syrer vorerst nicht mehr alleine im Salon arbeiten. Vor allem, um ihm die nötige Sicherheit zu gewährleisten.

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