Den Haag: "Schlächter vom Balkan" schuldig

Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des UN-Kriegsverbrechertribunals zum früheren Jugoslawien sprachen ihn am Mittwoch in Den Haag unter anderem für den Völkermord in Srebrenica 1995 schuldig.

Das Tribunal erhob Anklage gegen 20 Männer für die Verbrechen in Srebrenica. Bisher wurden 15 Angeklagte für schuldig befunden. Es gab einen Freispruch. Ein Angeklagter starb während des Prozesses.

Neben Ex-General Mladic gilt der frühere Serbenführer Radovan Karadzic als Hauptverantwortlicher. Er war im März 2016 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Berufungsverfahren läuft noch.

Der “Schlächter vom Balkan”

Der unter kommunistischem Druck zusammengehaltene Vielvölkerstaat Jugoslawien brach nach dem Ende des kalten Kriegs auseinander. Zu der Zeit begann Radko Mladics steiler Aufstieg in der bosnisch-serbischen Armee.

Die jugoslawische Volksarmee versuchte damals die Abspaltungen einzelner Republiken militärisch zu verhindern, Mladic übernahm da bereits wichtige Aufgaben. Als das Projekt scheiterte, riefen die bosnischen Serben ihre eigene Republik aus. Mladic wurde Chef der bosnisch-serbischen Armee.

Der bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic berief Mladic zum Militärchef. Gemeinsamsollensiedie Vernichtung bzw. Vertreibung bosnischer Muslime und bosnischer Kroaten geplant haben, um eine rein-serbische Republik zu schaffen.

Unter anderem sollen die beiden Männer die Errichtung unmenschlicher Straflager angeordnet haben. Das wirft ihnen das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vor. In den Lagern wurden tausende Muslime misshandelt und ermordet.

Mladic wurde auch für die im Mai 1992 begonnene Belagerung von Sarajevo verantwortlich gemacht. In den nächsten 40 Monaten starben mehr als 10.000 Menschen. Rund 50.000 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die serbische Armee hatte die wehrlose Stadt damals eingekesselt und von den umliegenden Bergen mit Panzern und Mörsern beschossen.

Das UN-Tribunal warf Mladic außerdem vor, der Chefplaner des Massakers von Srebrenica gewesen zu sein. Im Juli 1995 drangen serbische Truppen in die Kleinstadt im Osten Bosniens ein. Dorthin waren tausende Muslime geflüchtet, die Schutz vor den serbischen Truppen suchten. Sie wähnten sich in Sicherheit, da die UN die Stadt zur Schutzzone erklärt hatten. Nach der Einnahme der Stadt töteten die serbischen Truppen mehr als 8000 Jungen und Männer.

Im Juli 1995 wurde Mladic vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien als Kriegsverbrecher angeklagt. Unter anderem wurden ihm Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Doch Mladic tauchte nach dem Krieg unter und wurde erst 2011 in Serbien, im Bauernhaus seines Onkels, verhaftet.

Einen Monat später begann der Prozess vor dem UN-Tribunal und musste kurz danach wegen Mladics gesundheitlicher Probleme unterbrochen werden. Im Mai 2012 wurde der Prozess dann wieder aufgenommen, unterbrochen und wegen Unregelmäßigkeiten auf unbestimmte Zeit vertagt.