Demonstrationen in ganz Spanien für "Dialog" und "Einheit"

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Befürworter eines Dialogs mit Katalonien in Madrid

Die Aussicht auf eine Abspaltung Kataloniens vom Königreich Spanien hat am Samstag zehntausende Menschen im ganzen Land auf die Straße gebracht. Anhänger eines Dialogs zwischen Madrid und Barcelona versammelten sich zu Kundgebungen vor den Rathäusern

Angesichts einer möglichen Abspaltung Kataloniens haben zahlreiche Menschen in ganz Spanien am Samstag für die Einheit des Landes demonstriert. Anhänger eines Dialogs zwischen Madrid und der katalanischen Regionalregierung in Barcelona versammelten sich gegen Mittag zu Kundgebungen vor den Rathäusern. An einem "patriotischen Marsch" in Madrid für Spaniens Einheit nahmen tausende Menschen teil, die spanische Fahnen schwenkten.

Die Befürworter eines Dialogs und einer friedlichen Beilegung der derzeitigen Krise folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative "Parlem? Hablemos?" ("Sprechen wir?" auf Katalanisch und Kastilisch). "Spanien ist besser als seine politischen Führer", heißt es in der auf der Website "Change.org" veröffentlichten Petition der Initiative, die bis Samstagfrüh 9000 Menschen unterschrieben. Darin wurde dazu aufgerufen, sich weiß gekleidet vor den Rathäusern im Land zu treffen und weiße Tücher an die Balkone zu hängen.

In Madrid und Barcelona versammelten sich mehrere hundert weiß gekleidete Menschen vor den Rathäusern. Im Zentrum Madrids tauchten die Teilnehmer des "patriotischen Marschs" die Plaza de Colón (Christoph Kolumbus-Platz) zur gleichen Zeit in ein Meer von spanischen Flaggen. Auch Fahnen mit dem schwarzen Adler der Diktatur des Generals Francisco Franco (1939-1975) waren zu sehen.

In Barcelona will der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa am Sonntag an einer ähnlichen Demonstration für Spaniens Einheit teilnehmen. Der Peruaner mit spanischer Staatsangehörigkeit hatte das katalanische Unabhängigkeitsstreben als "Krankheit" verurteilt und vor einem "neuen Bosnien" gewarnt.

Das katalanische Regionalparlament könnte am Dienstag die Unabhängigkeit von Spanien ausrufen. Eine für Montag geplante Parlamentssitzung hatte das spanische Verfassungsgericht zwar verboten, um die Proklamation der Unabhängigkeit zu verhindern. Regionalpräsident Carles Puigdemont will aber dennoch vor dem Parlament auftreten, wenn er auch seine Rede um einen Tag auf Dienstag verschob.

Puigdemonts Vorgänger Artur Mas sagte der britischen Zeitung "Financial Times", Katalonien sei noch nicht reif für die Unabhängigkeit. Jordi Cuixart, Vorsitzender der für Kataloniens Unabhängigkeit eintretenden Gruppe Omnium, sprach sich im katalanischen Radio für eine internationale Vermittlung der Krise aus.

Der spanische Außenminister Alfonso Dastis nannte eine internationale Vermittlung "nicht hilfreich". Dem Magazin "Der Spiegel" sagte er: "Die spanische Regierung muss den Rechtsstaat gegen eine Regionalregierung verteidigen, die einen Staatsstreich durchziehen will." Die Madrider Regierung habe dafür "genügend legale Möglichkeiten". Zugleich sei sie offen für "alle möglichen Lösungswege und Reformen".

Bei dem am vergangenen Sonntag abgehaltenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien stimmten 90 Prozent der Teilnehmer für eine Abspaltung von Spanien, die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent.

Die spanische Zentralregierung hatte mit einem großen Polizeiaufgebot versucht, das vom Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärte Referendum zu verhindern. Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Erst am Freitag entschuldigte sich ein Vertreter Madrids für die Polizeigewalt - hunderte Menschen waren verletzt worden.

Angesichts der Ankündigung mehrerer Banken und Firmen, ihren Sitz aus Katalonien wegzuverlegen, äußerte sich der für Unternehmen in der katalanischen Regierung zuständige Santi Vila versöhnlich. Der als Vertrauter Puigdemonts geltende Politiker forderte einen "Waffenstillstand" mit Madrid und fügte hinzu: "Das bedeutet, dass wir in den nächsten Stunden und Tagen keine Entscheidungen treffen werden, die irreparabel sein könnten."