Zahlreiche Verletzte nach Ausschreitungen bei Protesten im Libanon

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Bei Protesten im Libanon angesichts eines neuen Rekordtiefs der Landeswährung sind zahlreiche Menschen verletzt worden. Das Militär und Sanitäter sprachen am Sonntag von rund 20 verletzten Demonstranten und Sicherheitskräften bei nächtlichen Ausschreitungen in der Altstadt von Tripoli. In der nördlichen Stadt sowie auch im südlichen Sidon versuchten wütende Libanesen, die Büros der Zentralbank zu stürmen.

Eine in Tripoli ansässige Hilfsorganisation, deren Krankenwagen am Samstagabend in die Altstadt geschickt wurden, berichtete von "18 Verletzten, Zivilisten und Militärangehörige, darunter vier, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten". Einige seien durch Gummigeschosse, andere durch Schrapnelle einer Blendgranate verletzt worden, sagte ein Sprecher der Organisation der Nachrichtenagentur AFP.

Das libanesische Militär beklagte seinerseits zehn verletzte Soldaten. Eine Armeeeinheit sei von "Jugendlichen auf Motorrädern mit Schallgranaten" beworfen worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur ANI hatte am Samstag berichtet, dass es in Tripoli Dutzenden Menschen gelungen sei, in den Innenhof einer Filiale der Zentralbank einzudringen, bevor Soldaten sie aufhielten. Bei einem ähnlichen Vorfall in Sidon wurden die Demonstranten demnach von Sicherheitskräften zurückgedrängt.

In Tripoli gingen die Menschen auf die Straße, um die Abwertung des Pfunds und die "schwierigen Lebensbedingungen" anzuprangern. Vereinzelte Proteste gab es auch in der Hauptstadt Beirut, wo eine kleine Zahl von Demonstranten auf die Straße ging und Reifen anzündete, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Das Libanesische Pfund ist seit 1997 mit einem Wert von 1507 an den Dollar gekoppelt; die schlimmste Wirtschaftskrise des Landes seit Jahrzehnten hat den Wert auf dem Schwarzmarkt aber massiv abstürzen lassen. Am Samstag berichteten Geldwechsler, dass der Schwarzmarktkurs des Pfundes bei 17.300 bis 17.500 zum Dollar lag.

Hinzu kommt derzeit eine akute Treibstoffknappheit, die seit über zwei Wochen endlose Schlangen vor den Tankstellen verursacht. Die Behörden kündigten am Freitag an, dass die Finanzierung der größtenteils subventionierten Treibstoffimporte auf Grundlage eines Zwischenkurses von 3900 Pfund pro Dollar statt der festgelegten 1507 Pfund erfolgen werde, was sich in einem baldigen Anstieg des Preises an der Zapfsäule manifestieren dürfte.

Der Libanon wird seit Herbst 2019 von einer Wirtschaftskrise erschüttert, die laut Weltbank wahrscheinlich zu den schlimmsten Finanzkrisen der Welt seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört. Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat im Libanon Empörung über die politische Klasse ausgelöst, die von den Menschen als extrem korrupt und unfähig angesehen wird, die vielen Schwierigkeiten des Landes zu bewältigen.

Nach der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut im vergangenen August war die Regierung zurückgetreten. Seitdem ist es den Parteien jedoch nicht gelungen, sich auf ein neues Kabinett zu einigen. Eine Regierung wäre jedoch nötig, um von der internationalen Gemeinschaft geforderte Reformen einzuleiten und so in Aussicht gestellte finanzielle Hilfen freizuschalten.

pe/lan

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