Exklusiv: Delivery Hero kündigt 300 Mitarbeitern

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Die Konzernzentrale von Delivery Hero in Berlin-Mitte.
Die Konzernzentrale von Delivery Hero in Berlin-Mitte.

Am Mittwoch gab Delivery Hero bekannt, von einem Tag auf den anderen das Deutschlandgeschäft seiner Marke Foodpanda einzustellen. Das hat auch für zahlreiche Mitarbeitende des Unternehmens Folgen: Nach Gründerszene-Informationen müssen insgesamt 300 Angestellte gehen. Delivery Hero bestätigte diese Zahl.

Der Konzern ging nicht weiter darauf ein, ob es sich dabei um Angestellte aus der Verwaltung oder um Fahrerinnen und Fahrer handelt. Laut Delivery Hero arbeiteten bislang insgesamt 1.000 Personen bei Foodpanda in Deutschland, inklusive Rider und Picker. Es ist jedoch davon auszugehen, dass vor allem Angestellte aus dem Headquarter und nicht aus dem operativen Geschäft von den Kündigungen betroffen sind. Das erschließt sich aus einer im Karrierenetzwerk Linkedin kursierenden Liste mit Foodpanda-Angestellten, die nach neuen Jobs suchen. Mehr als 120 Personen haben sich dort bereits eingetragen, die bisher etwa in den Bereichen Sales, HR, Marketing tätig waren. Kuriere sind keine darunter.

Kuriere könnten an Gorillas weitergereicht werden

Alle Arbeitsverträge würden im Einklang mit den vertraglichen Anforderungen beendet werden, heißt es vom Unternehmen. Außerdem würden alle Gekündigten Abfindungen erhalten. Es ist zudem vorstellbar, dass Delivery Hero einen Teil seiner Flotte langfristig anderen Playern zur Verfügung stellt. Eine offensichtliche Wahl wäre hier das Unternehmen Gorillas, an dem Delivery Hero seit einigen Monaten als Investor mit acht Prozent der Firmenanteile beteiligt ist.

Darauf angesprochen, ob Gorillas in Zukunft von der Foodpanda-Infrastruktur profitieren soll, streitet Delivery Hero dies zumindest nicht ab. Man gebe sein bestes, die Angestellten intern oder an „Partner aus dem Branchen-Netzwerk der Firma“ zu vermitteln. Den speziellen Fall Gorillas wolle man nicht weiter kommentieren. Interessant ist jedoch, dass Delivery Hero angibt, dass die Fahrer von Donnerstag an als Übergangslösung „Bestellungen für andere Akteure der Branche“ ausfahren werden. Um welche Akteure es geht, verriet das Unternehmen nicht. Gorillas ist jedoch der einzige Rivale im Quick-Commerce-Bereich, mit dem Delivery Hero bereits Geschäftsbeziehungen pflegt.

Die Nachricht vom plötzlichen Foodpanda-Aus schien nicht nur Beobachter überrascht zu haben. Auch für viele Angestellte von Delivery Hero selbst war es so kurz vor Weihnachten eine unerwartete Nachricht. „Ich weiß, dass diese Nachricht ein Schock für euch sein mag“, schrieb Niklas Östberg, CEO und Gründer von Delivery Hero, in einer internen Mail an sein Team. In der Mail, die gegen Mittag versendet wurde, erläuterte er die Gründe für den Entschluss. Diese decken sich größtenteils mit dem offiziellen Statement vom Morgen.

Östberg hält emotionales Meeting ab

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Östberg, doch sie sei aus einer „Businessperspektive“ notwendig gewesen. Sowohl Deutschland als auch Japan, wo das Foodpanda-Geschäft ebenfalls verkauft werden soll, seien schwierige Märkte geworden in den vergangenen Monaten. Dafür hätten sich andere attraktive Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere innerhalb des Quick-Commerce-Bereiches ergeben.

Welche dies sind, spezifizierte Östberg in seinem Statement nicht. In dem Pressestatement hieß es weiter, dass insbesondere die wachsende Konkurrenz und der andauernde Mangel an Fahrerinnen und Fahrern zu diesem Entschluss geführt hätten. Nach Informationen von Gründerszene berief Delivery Hero außerdem ein firmenweites Meeting ein, um über die Entscheidung zu informieren. Beobachtern zufolge sei Niklas Östberg dabei stellenweise emotional gewesen, Fragen wurden – anders als sonst üblich – angeblich nicht zugelassen.

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